CST-Studie aus dem Jahr 2003 Teil 1

Comité Scientifique et Technique (CST)

Multifaktorielle Studie

über Bienenstörungen

Imidacloprid als Beizmittel

für Saatgut (Gaucho®) und

Bienenstörungen

Abschlussbericht

 

Datum der Herausgabe: 18. September 2003

 

 

 

Comité Scientifique et Technique (CST)

Multifaktorielle Studie

über Bienenstörungen

 

 

 

Imidacloprid als Beizmittel

für Saatgut (Gaucho®) und Bienenstörungen

Abschlussbericht

Autoren

 

C. Doucet-Personeni

MP. Halm

F. Touffet

A. Rortais

G. Arnold

Centre d’Etudes et de Recherches Sur le Médicament de Normandie

Universität Caen, 5 Rue Vaubénard

14032 Caen Cedex

Laboratoire Populations, Génétique et Evolution

CNRS, 91198 Gif-sur-Yvette

 

Mitglieder des CST

Vorsitzende  
D. Marzin: Institut Pasteur, Lille
S. Rault: CERMN, Universität Caen

 

G.Arnold CNRS
M. Aubert AFSSA
J.M. Barbançon FNOSAD
C. Doucet-Personeni CERMN, Universtität Caen
B. Declercq DGCCRF
P. Deschamps Cabinet Paracelse
J.P. Faucon AFSSA
F. Lagarde CETIOM
M.P. Halm CERMN, Universität Caen
M. Le Béchec FNOSAD
J.P. Carlier DGAL/SDSPA, Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und landwirtschaftliche Belange
A. Rortais CERMN, Universität Caen
M. Sanaa ENVA
J.N. Tasei INRA
E. Thybaud INERIS
F. Touffet CERMN, Universität Caen
P. Vasseur CSE, Universität Metz

 

Schriftführer bei den Sitzungen

D. Poujeaux Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und landwirtschaftliche Belange

 

 

 

 

PRÄAMBEL

Zusammenfassung

Erster Teil: Imidacloprid und Metaboliten

1. Liste der erfassten Berichte und Veröffentlichungen über Störungen bei Bienen

2. Angaben zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften

3. Daten über die Aussetzung

3.1 Mengenbestimmung im Pollen

3.2 Mengenbestimmungen im Nektar

3.3 Mengenbestimmung im Erdreich

3.4 Mengenbestimmung in den Pflanzen

3.5 Imidaclopridmengen, die in den Bienenstock eingetragen werden

3.6 Imidaclopridmengen in den übrigen „Produkten des Bienenstocks“

4. Toxizitätsdaten in Verbindung mit dem Einsatz von Imidacloprid

4.1 Mortalität infolge einer einzigen Verabreichung von aktiver Substanz (akute Toxizität)

4.2 Mortalität infolge der wiederholten Verabreichung von aktiver Substanz (chronische Toxizität)

4.3 Subletale Effekte

Zweiter Teil: Bewertung der Risiken

5. Szenarien der Exposition von Bienen für die Bewertung der Intoxikationsrisiken

6. Bewertung der Risiken

6.1 Bewertung der Exposition (PEC)

6.2                Bewertung der Auswirkungen (PNEC)

7. Schlussfolgerungen für die Einschätzung des Risikos

Dritter Teil: Empfehlungen für die Erfassung der Daten, die während der Risikobewertung gefehlt haben

8. Empfehlungen

9. Notwendige Arbeiten für die Vervollständigung der multifaktoriellen Untersuchung

Erster Teil: Imidacloprid und Metaboliten

1     Liste der erfassten Berichte und Veröffentlichungen über Bienenstörungen

2     Angaben zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften

2.1 Identität

2.2                Physikalische und chemische Eigenschaften

2.3                Verhalten in der Umwelt

3     Daten zur Exposition

3.1                Mengenbestimmungen im Pollen

3.1.1     Mengenbestimmungen im Nektar

3.2. Mengenbestimmungen von Imidacloprid im Erdreich und Remanenz

3.3                Weitere Entwicklung von Imidacloprid in der Pflanze

3.4 Bewertung der Mengen an möglicherweise kontaminiertem Pollen und Nektar, die zum Bienenstock gebracht werden

3.4.1     Im Falle des Pollens

3.4.2     Im Falle des Nektars und Honigs aus Sonnenblumen

3.5.               Zusammenfassung der Daten über die Exposition bei Sonnenblumen und Mais

3.5.1     Validierungskriterien:

3.5.2     Mengenbestimmungen von Imidacloprid in den Pollen von Sonnenblumen und Mais:

3.5.3.    Mengenbestimmung von Imidacloprid im Nektar von Sonnenblumen

3.5.4     Bestimmung der Imidaclopridmenge im Boden und Remanenz

3.5.5     Bestimmung des Imidaclopridgehalts in den Pflanzenteilen von Sonnenblumen und Mais, die nicht von Bienen aufgesucht werden             3


PRÄAMBEL

 

Das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung, Fischerei und landwirtschaftliche Belange hat im Januar 1999 und im Februar 2001 erneut beschlossen, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, um den Warnungen der Bienenzüchter angesichts des massiven Rückgangs der französischen Bienenvölker Rechnung zu tragen und hat die Verwendung von Gaucho für das Beizen von Sonnenblumensaat ausgesetzt.

 

Als eine der Begleitmaßnahmen hat das Ministerium die Einsetzung eines Wissenschaftlichen und Technischen Ausschusses (Comité Scientifique et Technique) beschlossen, mit dem Auftrag eine multifaktorielle Studie über Bienenstörungen zu leiten. Dieser Ausschuss wurde unter dem gemeinsamen Vorsitz der Professoren Marzin und Rault im Juni 2001 eingesetzt und hat seine Arbeit im Oktober 2001 aufgenommen.

 

Angesichts der relativ umfangreichen Aufgabe und in Anbetracht der sehr großen Meinungsverschiedenheiten in der Sache, haben die Sachverständigen als eine der vorrangigen Orientierungen die Durchführung einer umfangreichen Inventur der wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse über verschiedene Aspekte des Problems festgelegt:

1.      Gaucho und sein aktiver Wirkstoff Imidacloprid im Hinblick auf seine Toxizität, Gefährlichkeit für die Umwelt, Einflüsse auf den Stoffwechsel usw.

2.      Tatsächlich beobachtete Bienenstörungen (Vergiftungen, Viruserkrankungen, Parasitenbefall usw.).

3.      Schicksal der Beizmittel im Laufe des Wachstums und der Blüte der Pflanzen (insbesondere im Nektar und in den Pollen) sowie im Boden,

4.      Genetische Veränderungen an Sonnenblumen und insbesondere hinsichtlich der Art der Bestäubung,

5.      Reale Umweltdaten darüber, ob ein Rückgang beim Necktarertrag in ganz Frankreich vorliegt oder nicht.

 

Diese Inventur und bibliographische Arbeit wurde einer so genannten „metrologischen“ Untergruppe übertragen. Parallel dazu hat der Ausschuss eine Untergruppe „Netzwerk“ eingesetzt, um zwei Arten von Beobachtungen anzustellen:

-          für das Jahr 2002 ein erstes Netzwerk für Alarm und Information namens „Ré.SATA“, dessen Aufgabe einfach darin besteht, das Auftreten der Vergiftungen auf dem französischen Territorium räumlich und zeitlich einzuordnen,

-          ab dem Jahre 2003, ein Netzwerk für die multifaktorielle Analyse, das sich eingehender mit der Beschaffenheit und mit den Ursachen der realen Störungen bei den Bienen an mehreren Punkten innerhalb des Territoriums zu befassen.

 

Gegenstand des vorliegenden Berichts ist die Darlegung der Schlussfolgerungen der Untergruppe für Metrologie. Angesichts des Umfangs der Arbeiten und um Verzettelungen zu vermeiden, zu denen eine zentrifugale Analyse einer Vielzahl von Parametern führen kann, hat sich die Gruppe vorrangig darum bemüht, den Aspekt zu untersuchen, der der Entscheidung des Ministeriums anfänglich zu Grunde gelegen hat, d.h. die eventuelle Rolle von Gaucho und Imidacloprid bei den früher beobachteten Störungen. Es versteht sich von selbst, dass diese Herangehensweise, die sich auf das anfängliche Phänomen konzentriert, auf weitere Faktoren ausgedehnt wird, d.h. auf andere Pflanzenschutzmittel, die Kombination ihrer Auswirkungen auf Krankheitsbilder, besondere landwirtschaftliche Praktiken, schlechte Praktiken in der Landwirtschaft usw.

 


Zusammenfassung

 

Angesichts des Umfangs der Arbeiten und um Verzettelungen zu vermeiden, zu denen eine zentrifugale Analyse einer Vielzahl von Parametern führen kann, hat sich die Gruppe vorrangig darum bemüht, den Aspekt zu untersuchen, der der Entscheidung des Ministeriums anfänglich zu Grunde gelegen hat, d.h. die eventuelle Rolle von Gaucho und Imidacloprid bei den früher beobachteten Störungen. Der vorliegende Bericht zieht eine Bilanz des gegenwärtigen Standes der Kenntnisse über Gefahren in Verbindung mit dem Einsatz von Imidacloprid als Beizmittel für Sonnenblumensaat und Mais und für die Bienen. Er legt die Schlussfolgerungen der Untergruppe für Metrologie dar, die von allen Mitgliedern des CST bestätigt worden sind. Die Gliederung folgt dem klassischen Plan einer Evaluierung von Umweltrisiken mit Unterscheidung zwischen der Analyse der Risikoaussetzung und der Analyse der Auswirkungen.

 

Angesichts der Probleme, die anlässlich der Validierung der verschiedenen Daten aufgetreten sind, wurde in diesen Bericht schließlich ein Kapitel „Empfehlungen“ aufgenommen, um die Aussagekraft späterer Studien zu verbessern.

 

Es versteht sich von selbst, dass diese Herangehensweise, die sich auf das anfängliche Phänomen konzentriert, auf weitere Faktoren ausgedehnt wird, d.h. auf andere Pflanzenschutzmittel, die Kombination ihrer Auswirkungen auf Krankheitsbilder, besondere landwirtschaftliche Praktiken, schlechte Praktiken in der Landwirtschaft usw.

 

Erster Teil: Imidacloprid und Metaboliten

 

1. Liste der erfassten Berichte und Veröffentlichungen über Störungen bei Bienen

In diesem Absatz werden die Dokumente dargelegt, die sich mit Daten über die Aussetzung und Toxizität befassen und die Grundlage für die bibliographische Analyse bilden:

  • 245 Studienberichte oder zugeordnete Dokumente, die von der Direction Générale de l’Alimentation zur Verfügung gestellt worden sind,
  • 93 Dokumente aus der wissenschaftlichen und technischen Literatur.

 

2. Angaben zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften

Die wichtigsten physikalisch-chemischen, toxikologischen und ökologischen Daten zum Wirkstoff Imidacloprid sind in diesem Kapitel zusammengefasst.

 

3. Daten über die Aussetzung

Dieser Absatz befasst sich mit der Analyse der Daten über die Aussetzung, Mengenbestimmung im Pollen, Nektar, Erdreich und in der Pflanze und mit der Validierung dieser Daten. Die Daten wurden fünfzehn Studien entnommen, die in staatlichen oder privaten französischen und europäischen Labors angestellt worden sind.

 

3.1 Mengenbestimmung im Pollen

Die Validierung der Daten ermöglicht die Schlussfolgerung, dass das Niveau der Rückstände von Imidacloprid in den Pollen von Sonnenblumen, deren Saatgut mit Gaucho behandelt worden ist, im Durchschnitt 3,3 ppb beträgt, während es in den Pollen der Pollenfallen von Bienenstöcken in der Umgebung von Sonnenblumenfeldern im Durchschnitt 2,2 ppb beträgt. Soweit es die Mengenbestimmungen in Maispollen betrifft, zeigen die validierten Daten durchschnittliche Imidaclopridgehalte von 0,75 und 3,5 ppb bei den Pollen aus den Blüten bzw. in den Pollenfallen der Bienenstöcke. In Anbetracht der Veränderungen bei den Aktivitäten des Bienenvolks, die durch den Einsatz von  Pollenfallen herbeigeführt werden können, werden nur die Mengenbestimmungen von Imidacloprid in den Blütenpollen als repräsentativ für die Imidaclopridmengen herangezogen, die in das Bienenvolk eingehen. Der Wert von 3,3 ppb wird daher für die Aussetzungsszenarien und für die Bewertung der Risiken in Verbindung mit dem Einsatz von Imidacloprid für das Beizen von Sonnenblumensaat herangezogen, und für die Risiken in Verbindung mit dem Einsatz von Imidacloprid für das Beizen von Maissaat wird der Wert von 3,5 ppb herangezogen.

 

 

3.2 Mengenbestimmungen im Nektar

Die Analyse der Untersuchungsberichte validiert nur eine einzige Studie, die zeigt, dass das Niveau der Rückstände im Nektar von Sonnenblumen, deren Saatgut mit Gaucho behandelt worden ist, bei 1,9 ppb liegt. Die übrigen Studien entsprechen nicht den Validierungskriterien (wenig spezifische Methode, hohe Quantifizierungsgrenze oder geringe Anzahl von Stichproben).

 

3.3 Mengenbestimmung im Erdreich

Imidacloprid wird in den Böden, auf denen im Vorjahr mit Gaucho behandelte Sonnenblumen angebaut worden sind, in einer durchschnittlichen Menge von 10,25 ppb festgestellt. Im darauffolgenden Jahr nehmen die Imidaclopridmengen ab und betragen im Durchschnitt 4,4 ppb. Auf Grund einer mangelhaften Kontrolle der Stichprobenentnahme ist es jedoch nicht möglich, über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr Rückschlüsse zu ziehen.

 

3.4 Mengenbestimmung in den Pflanzen

Die Analyse der Untersuchungsberichte validiert wegen einer mangelhaften Kontrolle der Stichprobenentnahme nur eine einzige Studie und auch diese nur teilweise. Hinweishalber wurde ein durchschnittlicher Gehalt von 4,6 ppb Imidacloprid in Sonnenblumen, die im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden sind, durch Zusammenfassung der verschiedenen Stichproben aus Blättern, Stängeln und Blütenständen errechnet. Soweit es mit Gaucho behandelten Mais betrifft, betragen die Imidaclopridgehalte in den verschiedenen Pflanzenteilen jeweils 3,7, 3 und 7,5 ppb in den Blättern und Stängeln zusammen, in den männlichen Teilen und Rispen.

 

3.5 Imidaclopridmengen, die in den Bienenstock eingetragen werden

In diesem Abschnitt haben wir zunächst einmal die theoretischen Gesamtmengen an Imidacloprid berechnet, die durch kontaminierten Pollen und Nektar in den Bienenstock eingetragen werden. Beim Sonnenblumenpollen, umgerechnet auf die Jahresmenge und den Bienenstock, kann diese Menge zwischen 0,84 µg und 50 µg variieren. Beim Sonnenblumennektar können wir anhand der einzigen validierten Studie eine Menge zwischen 133 µg bis zu 266 µg veranschlagen. Imidacloprid kann auch durch Maispollen in unterschiedlichen Mengen zwischen 0,04 µg und 66 µg in den Bienenstock eingetragen werden.

 

3.6 Imidaclopridmengen in den übrigen „Produkten des Bienenstocks“

Zurzeit verfügen wir über keinerlei Daten in bezug auf die Mengenbestimmung von Imidaclopridrückständen in Gelee Royal, Larvenfuttersaft, Bienenbrot, Wachs usw.

 

4. Toxizitätsdaten in Verbindung mit dem Einsatz von Imidacloprid

Der dritte Teil befasst sich mit der Analyse der Auswirkungen von Imidacloprid auf die Bienen mit Untersuchung der Ergebnisse aus den Versuchen über akute, chronische und subletale Toxizität. Die verfügbaren Ergebnisse werden sodann vom CST validiert oder für ungültig erklärt.

 

4.1 Mortalität infolge einer einzigen Verabreichung von aktiver Substanz (akute Toxizität)

Die Ergebnisse der akuten Toxizität auf oralem Wege für Imidacloprid stammen aus standardisierten Versuchsprotokollen und zeigen Ergebnisse, die mit denen der LD50 übereinstimmen und reichen von 4 ng bis zu 71 ng Imidacloprid je Biene. Alle verfügbaren Studien werden validiert. Soweit es die Ergebnisse der akuten Toxizität auf topischem Wege betrifft, erhalten wir Werte für die DL50 von 6,7 ng bis zu 242 mg Imidacloprid je Biene.

 

 

Olefin und Hydroxyimidacloprid als Metaboliten des Imidacloprids besitzen ebenfalls eine Toxizität bei Verabreichung auf oralem Wege. Olefin besitzt eine DL50 zwischen 28 und > 35,7 ng aktiver Substanz pro Biene, Hydroxyimidacloprid besitzt eine DL50 von 153 bis 258 ng aktiver Substanz pro Biene.

Die übrigen Metaboliten (6-Chlornikotinsäure, Dihydroxyimidacloprid, Harnstoffderivat und Guanidin) besitzen keine besondere Toxizität (DL50 > 1000 ng aktive Substanz pro Biene).

 

4.2 Mortalität infolge der wiederholten Verabreichung von aktiver Substanz (chronische Toxizität)

Die Studien über die chronische Toxizität von Imidacloprid und seine Metaboliten zeigen unterschiedliche Ergebnisse, die zum Teil auf eine erhebliche Heterogenität der Protokolle zurückzuführen sind, die die Studien untereinander nur wenig vergleichbar und schwer validierbar machen.

Nur 2 Studien über die Vergiftung durch wiederholte Verabreichung von Imidacloprid auf oralem Wege wurden validiert. Die eine ergibt eine DL50 von 12 pg/Biene im Laufe von 10 Tagen (Suchail, 2001), die andere zu einer NOEC von 1700 pg/Biene/10 Tage (Decourtye, 2000). Die Studien, die sich auf die chronische Intoxikation auf oralem Wege durch die Metaboliten von Imidacloprid beziehen, ergeben ebenfalls abweichende Ergebnisse mit einer DL50 von 12 pg/Biene im Verlauf von 10 Tagen für alle Metaboliten, oder einer NOEC zwischen 2740 und 8000 pg/Biene im Verlauf von 10 Tagen für ein Harnstoffderivat und 6-Chlornikotinsäure.

 

4.3 Subletale Effekte

Zahlreiche Studien haben sich mit den subletalen Effekten beschäftigt. Sie sind sehr vielfältig und heterogen. Sie haben die subletalen Auswirkungen im Labor, in Flugkäfigen und im Tunnel oder auf dem freien Feld untersucht.

Im Labor ergeben die validierten Daten für die akute, orale Toxizität eine NOEC von 940 pg Imidacloprid/Biene bei der motorischen Koordination und den Knockdown-Effekt. Bei einer Vergiftung durch wiederholte orale Verabreichung von Imidacloprid beträgt die NOEC 200 pg Imidacloprid/Biene im Laufe von 10 Tagen für den Rüsselstreckreflex. Bei den Daten über die akute Intoxikation auf topischem Wege erhalten wir eine LOEC von 1000 pg Imidacloprid pro Biene. Es wurden keine Daten über die Intoxikation durch wiederholte Verabreichung von Imidacloprid auf topischem Weg validiert.

Die Verabreichung der Metaboliten von Imidacloprid in einer einzigen Dosis auf oralem Wege führt zu höheren NOEC von 1200 bis 700 pg an aktiver Substanz je Biene.

 

Die validierten Studien im Flugkäfig und unter Tunneln ergeben infolge von Intoxikationen durch wiederholte Verabreichung von aktiven Substanzen auf oralem Wege eine LOEC von 75 pg Imidacloprid/Biene und Hydroxyimidacloprid/Biene und von 20 pg Olefin/Biene bei den Auswirkungen auf die „Frequentierung des Futterautomaten und die Dauer der Nahrungsaufnahme“.

Wenn Imidacloprid oder Olefin in einem Futtergeber auf freiem Feld ausgegeben wird, zeigen die Ergebnisse der Intoxikation durch wiederholte Aufnahme der aktiven Substanz NOEC von 250 ng Imidacloprid/Biene bei allen beobachteten Verhaltensitems und eine NOEC von 250 ng Imidacloprid/Biene bei den Bienentänzen.

 

 

Zweiter Teil: Bewertung der Risiken

5. Szenarien der Exposition von Bienen für die Bewertung der Intoxikationsrisiken

Wir haben fünf Szenarien vorgeschlagen, die den verschiedenen möglichen Arten der Intoxikation (orale oder topische Intoxikation) in den verschiedenen Lebensstadien der Biene (Larven, Ammenbienen, Feldbienen) durch Pollen (Szenarien 1, 2, 3), Nektar oder Honig (Szenarien 3, 4 und 5) entsprechen, sei es infolge eines unmittelbaren Konsums oder infolge eines verzögerten Konsums.

 


6. Bewertung der Risiken

Die Bewertung der Risiken besteht darin, eine vorhergesagte Expositionskonzentration, gemeinhin bezeichnet als „PEC“ (Predicted Environmental Concentration) mit einer vorgesehenen Konzentration zu vergleichen, die keine Auswirkungen auf die Umweltorganismen hat und auch als „PNEC“ (Predicted No Effect Concentration) bezeichnet wird. Ein Risiko ist dann gegeben, wenn der geschätzte Wert der PEC höher ist als derjenige der PNEC.

Die Bewertung der Risiken für Bienen in Verbindung mit dem Einsatz von Imidacloprid für das Beizen von Saatgut erfolgte anhand des Verfahrens für „neue und vorhandene chemische Substanzen“, das im Rahmen der Verordnungen für neue und vorhandene chemische Substanzen entwickelt worden ist (Richtlinie 67/548). Die pflanzenschutzbezogene Herangehensweise, die im Rahmen der Verordnungen für Pflanzenschutzmittel (Richtlinie 91/414) entwickelt worden ist, kann im Falle der Beizung von Saatgut nicht herangezogen werden, weil sie auf dem Begriff der Dosis pro Hektar beruht, die in unserem Falle keinen Sinn ergibt.

 

6.1 Bewertung der Exposition (PEC)

-          Beim Szenarium 1 (Ernährung der Larven) und in Erwägung der Tatsache, dass der Zucker, aus dem der Larvenfuttersaft besteht, in vollem Umfang aus dem gesammelten Nektar hervorgeht, wurde die Menge an Imidacloprid, die von einer Larve im Laufe von 5 Tagen aufgenommen wird, auf 1,1 bis 87 pg geschätzt, wobei diese Menge vom Prozentsatz der Kontamination des aufgenommenen Sonnenblumennektars abhängt. Im übrigen wurde davon ausgegangen, dass die aufgenommene Pollenmenge angesichts der Gesamtmenge an Futter, die von der Larve aufgenommen wird, zu vernachlässigen ist.

 

-          Beim Szenarium 2 (Verzehr von Pollen durch die Ammenbienen) wurde davon ausgegangen, dass bei einer absoluten Stabilität des Imidacloprid anlässlich der Lagerung des Pollens im Bienenstock die von den Bienen aufgenommene Menge an Imidacloprid sowohl vom Prozentsatz des von ihr aufgenommenen kontaminierten Pollens, als auch von der Imidaclopridkonzentration in diesem Pollen abhängt. Sie würde zwischen 40 pg und 180 pg pro Biene (schlimmster, wenig anzunehmender Fall) betragen, wenn die Ammenbiene Sonnenblumenpollen verzehrt, und zwischen 43 pg und 168 pg, wenn Maispollen verzehrt wird. Anzumerken ist, dass sich diese Ammenbienen auch vergiften können, wenn sie kontaminierten Honig verzehren (Szenarium 5).

 

-          Beim Szenarium 3 (Aufnahme von Pollen durch die Feldbienen) wurde der Anteil an Pollen, der von den Feldbienen bei der Herstellung von Pollenkugeln aufgenommen wird, willkürlich auf 1% festgelegt. In diesem Fall schwankt die aufgenommene Menge an Imidacloprid zwischen 3,3 und 15 pg pro Biene beim Sonnenblumenpollen und zwischen 3,5 und 16 pg beim Maispollen. Wegen der Blütentreue der Bienen wird der Prozentsatz an aufgenommenem, kontaminiertem Pollen je nach Behandlung der Felder 0 oder 100% (ohne Gaucho oder mit Gaucho) betragen. Diese Feldbienen können sich auch durch den Verzehr von Honig zum Speichern der notwendigen Energie für ihren Flug vergiften  (Szenarium 4).

 

-          Beim Szenarium 4 (Verzehr von Nektar durch die Feldbienen) hängt die Menge an Imidacloprid vom Prozentsatz an kontaminiertem Sonnenblumennektar ab, den die Biene aufnimmt, um die notwendige Flugenergie zu liefern, und von der Imidaclopridkonzentration in diesem Sonnenblumennektar. Wenn man die durchschnittliche tägliche Flugzeit mit 12 Stunden veranschlagt, nimmt die Nektarsammlerin zwischen 131 pg und 655 pg Imidacloprid pro Biene auf.

 

-          Beim Szenarium 5 (Verzehr von Reservehonig durch die Arbeitsbienen im Stock für die Wärmeregulierung) wurde von einer absoluten Stabilität des Imidacloprids bei der Umwandlung von Nektar in Honig ausgegangen. In diesem Falle hängt die Imidaclopridmenge, die von den Bienen aufgenommen wird, von dem von ihnen aufgenommen Prozentsatz an kontaminiertem Honig und von der Imidaclopridkonzentration in diesem Honig ab. Wenn man von einem Verzehr von 0,2 bis 0,8 g Honig pro Biene ausgeht, um eine Temperatur von 15°C im Mittelpunkt des Bienenstocks und von 5°C am Rand des Bienenstocks zu halten, schwankt die pro Biene aufgenommene Menge an Imidacloprid zwischen 190 und 3800 pg, je nach dem Prozentsatz an kontaminiertem Sonnenblumennektar, der für die Produktion des Honigs verwendet worden ist.

 

 

6.2       Bewertung der Auswirkungen (PNEC)

Die PNEC wird entweder anhand der Daten über die akute Intoxikation bewertet, die uns vorliegen, oder anhand der Daten über die chronische Intoxikation, oder anhand der Daten über die subletale Toxizität unter Heranziehung eines Unsicherheitsfaktors, der von Fall zu Fall festgelegt wird. Dieser Faktor berücksichtigt die folgenden Unsicherheiten:

-          die Schwankungen innerhalb und außerhalb des Labors,

-          die Extrapolierung der Daten über die kurzfristige und langfristige Toxizität,

-          die Extrapolierung des Labors im freien Feld.

 

Die Anpassung der Herangehensweise für „neue und vorhandene chemische Substanzen“ an die spezifischen Fälle in Gestalt der Exposition von Bienen anhand der unterschiedlichen Intoxikationsdaten haben zu den Schätzungen geführt, die in der nachstehenden Tabelle enthalten sind:

 

 

Beobachtete Schwankung

Unsicherheitsfaktor

PNEC

Intoxikation auf oralem Wege

Akute Toxizität
DL50 348 Std. = 4 ng/Biene Mortalität 100 40 pg/Biene
Chronische Toxizität auf oralem Weg
DL50 10 Tage = 0,012 ng/Biene Mortalität 10 1,2 pg/Biene
Subletale Toxizität
Labor 1 einzige Verabreichung auf oralem Wege

NOEC = 0,94 ng/Biene

Veränderungen des Verhaltens 50 20 pg/Biene
  Wiederholte Verabreichung auf oralem Wege

NOEC = 0,2 ng/Biene

Veränderungen des Verhaltens 10 20 pg/Biene
Im Tunnel Am Futtergeber, wiederholte Verabreichung

LOEC = 0,075 ng/Biene

Veränderungen des Verhaltens 10 7,5 pg/Biene
Im freien Feld Am Futtergeber, wiederholte Verabreichung

NOEC = 0,25 ng/Biene

Veränderungen des Verhaltens 5 50 pg/Biene

Intoxikation auf topischem Wege

Akute Toxizität
DL50 = 6,7 ng/Biene   Mortalität 100 67 pg/Biene
Subletale Toxizität
Labor 1 einzige Verabreichung auf oralem Wege

LOEC = 0,1 ng/Biene

Veränderungen des Verhaltens 50 2 pg/Biene


7. Schlussfolgerungen für die Einschätzung des Risikos

Die Verhältnisse zwischen PEC und PNEC, die anhand dieser Szenarien festgestellt worden sind, sind in der nachstehenden Tabelle angegeben:

Verhältnis zwischen PEC und PNEC je nach Kontamination der verzehrten Produkte

Szenarium

Ausgehend von einer Exposition gegenüber mit Gaucho behandelten Sonnenblumen,

Ausgehend von einer Aussetzung gegenüber mit Gaucho behandeltem Mais

Kommentare zu den Szenarien
Szenarium 1:

Verzehr von „Larvenfuttersaft“ durch die Larven

Verhältnis zwischen PEC und PNEC wegen fehlender Toxizitätsdaten nicht bestimmt Fehlen von Daten:

- über die Toxizität

- über die Mengenbestimmung der Rückstände im Gelee Royal und im „Larvenfuttersaft“

- über die Stabilität von Imidacloprid im Laufe der Lagerung im Bienenstock

Szenarium 2:

Verzehr von Pollen durch die Ammenbienen

2 bis 9 (151*)

2,1 bis 9 (151*)

Fehlen von Daten:

- über die Stabilität von Imidacloprid während der Lagerung des Pollens im Bienenstock

- über die Mengenbestimmung der Rückstände im Bienenbrot

Szenarium 3:

Verzehr von Pollen durch die Feldbienen

0,07 bis 0,3 (12*)

0,07 bis 0,32 (13*)

Szenarium beruht auf einer Schätzung des Verhältnisses an aufgenommenem Pollen anlässlich der Herstellung von Pollenkugeln
Szenarium 4:

Verzehr von Nektar durch die Feldbienen

2,6 bis 13 (546*)

Mais = Pflanze, die keinen Nektar liefert

Fehlen von Daten:

- über die Mengenbestimmung von Rückständen in dem im Bienenstock gelagerten Honig

Szenarium beruht auf einer einzigen Analyse von Rückständen im Nektar

Szenarium 5:

Verzehr von Honig durch die Bienen im Bienenstock

9,5 bis 190 (3166*)

Mais = Pflanze, die keinen Nektar liefert

Fehlen von Daten:

- über die Mengenbestimmung von Imidacloprid im Honig,

- über die Stabilität von Imidacloprid im Honig bei seiner Lagerung im Bienenstock

Szenarium beruht auf einer einzigen Analyse von Rückständen im Nektar

* erhaltenes Verhältnis anhand der Daten von Suchail (Extremfall)

 

Beim gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse und je nach den entwickelten Szenarien für die Bewertung der Exposition und den gewählten Unsicherheitsfaktoren für die Bewertung der Gefahren, sind die erhaltenen Verhältnisse zwischen PEC und PNEC besorgniserregend. Sie stimmen mit den Beobachtungen vor Ort überein, die von zahlreichen Imkern in Gebieten mit hoher landwirtschaftlicher Nutzung (Mais, Sonnenblumen) bezüglich der Mortalität der Feldbienen (Szenarium 4), ihr Verschwinden, ihre Verhaltensstörungen und bestimmte Mortalitäten im Winter (Szenarium 5) gemacht worden sind.

Infolge dessen führt das Beizen von Sonnenblumensaat mit Gaucho® zu einem signifikanten Risiko für Bienen unterschiedlichen Alters, mit Ausnahme der Aufnahme von Pollen durch die Feldbienen bei der Herstellung von Pollenkugeln (Szenarium 3).

Was das Beizen von Maissaat mit Gaucho® betrifft, erweist sich das Verhältnis zwischen PEC und PNEC – wie bei den Sonnenblumen – als besorgniserregend im Rahmen des Verzehrs von Pollen durch die Ammenbienen, was zu einer erhöhten Mortalität bei ihnen führen könnte und ein Faktor sein könnte, um die Schwächung der Bienenvölker zu erklären, die trotz des Verbots von Gaucho® bei Sonnenblumen noch immer zu beobachten ist.

In Anbetracht der Tatsache, dass weitere Faktoren zur Schwächung der Bienenvölker beitragen können, ist außerdem angezeigt, dass die Untersuchungen in bezug auf die Häufigkeit, die Mechanismen und die Ursachen dieser Symptome fortgesetzt werden.


Dritter Teil: Empfehlungen für die Erfassung der Daten, die während der Risikobewertung gefehlt haben

 

8. Empfehlungen

Diese Kapitel befasst sich mit:  – den verschiedenen Problemen, die bei der Validierung der Daten aufgetreten sind (mangelhafte Kontrolle der Stichprobenentnahme, zu hohe Grenzen der Messbarkeit und Quantifizierung, nicht standardisierte Protokolle für die Untersuchung der Toxizität usw.

- den fehlenden Daten: Mengenbestimmung der Rückstände in den verschiedenen Produkten des Bienenstocks, wobei die wichtigsten Honig, Larvenfuttersaft und Bienenbrot sind; Daten über die Stabilität von Imidacloprid in Pollen, Nektar und Honig im Laufe der Lagerung im Bienenstock, Daten über die Toxizität bei Larven und Ammenbienen.

 

Und schließlich  wird eine Reihe von Vorschlägen gemacht, um die aufgetretenen Probleme zu beheben. Diese Vorschläge könnten auch anlässlich von Untersuchungen über andere Pflanzenschutzwirkstoffe Anwendung finden.

 

9. Notwendige Arbeiten für die Vervollständigung der multifaktoriellen Untersuchung

Der Bericht muss schrittweise um die zukünftigen Arbeiten der Mitglieder der Untergruppe Metrologie des CST angereichert werden. Dabei wird es um folgende Aspekte gehen:

  • Durchführung einer Risikobewertung gleichen Typs, wie sie beim Imidacloprid, in bezug auf Fipronil angestellt worden ist.
  • Analyse der übrigen Faktoren, die an den Bienenverlusten beteiligt sind (Krankheiten, Praktiken der Imker und Landwirte, genetische Varietäten bei den angebauten und behandelten Pflanzen, Einfluss der Terpene usw.) in enger Zusammenarbeit mit der Untergruppe Netzwerk.
  • Inventur der Störungen bei Bienen, die in den anderen Ländern festgestellt worden sind.

 

 


Erster Teil: Imidacloprid und Metaboliten

 

1          Liste der erfassten Berichte und Veröffentlichungen über Bienenstörungen

 

Die bibliographische Arbeit hat sich auf die Dokumente gestützt, die vom Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung, Fischerei und landwirtschaftliche Belange gesammelt worden sind, sowie auf die Dokumente, die in der wissenschaftlichen Literatur gesucht worden sind. Die Liste dieser Dokumente befindet sich in Anhang I, wo differenziert wird, zwischen den Dokumenten, Versuchsberichten und Zeitungsartikeln, die von der Generaldirektion für Ernährung bereitgestellt worden sind (Nummern Mxx), den Veröffentlichungen aus wissenschaftlichen Zeitschriften mit Lektorat (Nummern Axx) und den technischen Dokumenten (Txx).

 

Von diesen Dokumenten hat das Ministerium 245 Studienberichte oder zugeordnete Dokumente in Verbindung mit Bienenstörungen bereit gestellt. Von diesen beziehen sich 49 auf Imidacloprid und wurden von Bayer geliefert; 21  Studien, die von den Bayer-Unternehmen, Aventis und Rhone Poulenc geliefert wurden, beziehen sich auf Fipronil. Die Studien, die vom Ministerium bei verschiedenen staatlichen Labors in Auftrag gegeben worden sind, seit Gaucho von den Imkern für das Verschwinden von Bienen verantwortlich gemacht wird, belaufen sich auf 58.

 

2          Angaben zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften

 

Die wichtigsten Eigenschaften von Imidacloprid sind nachstehend  anhand der Informationen von Agritox zusammengefasst (http://www.Inra.fr/agritox/fiches/867bayer.html) und waren nicht Gegenstand einer validierenden Studie durch das CST. Wir weisen darauf hin, dass AGRITOX eine Datenbank ist mit Angaben über die physikalisch-chemischen Eigenschaften, die Toxizität, Umwelttoxizität, die Entwicklung in der Umwelt, die vorgeschriebenen Daten der aktiven Substanzen in Pflanzenschutzmitteln, die in Frankreich zulässig sind. Diese Datenbank wurde von der Abteilung Pflanzenschutz und Umwelttoxizität des INRA angelegt. 80% der Informationen entstammen den toxikologischen Unterlagen der Zulassungsanträge, die von den Industrieunternehmen auf französischer und europäischer Ebene eingereicht werden, und 20% entstammen bibliographischen Quellen. In einigen Fällen kann es sein, dass die angegeben Daten nicht mit der internationalen Situation übereinstimmen. Das vollständige Informationsblatt ist in Anhang II beigefügt; Anhang III zeigt die chemischen Strukturen von Imidacloprid und seinen wichtigsten Metaboliten.

 

2.1 Identität

Aktive Substanz: Imidacloprid

Wichtigste biologische Aktivität(en): Insektizid

Chemische Familie: Nitromethylen; Bezeichnungen: Imidacloprid

Chemische Bezeichnungen: 1H-IMIDAZOL-2-AMIN, 1-[(6-CHLOR-3-PYRIDINYL) METHYL]- 4,5-HIHYDRO-N-NITRO-

Kurzformel: C9H10Cl N5 O2

Strukturformel:

 

 

 

Molekulargewicht: 255,66

 

 

Die wichtigsten Metaboliten: 5-Hydroxyimidacloprid, 4-Hydroxyimidacloprid, 4-5 Hydroxyimidacloprid, Olefin, Guanidinderivat, Harnstoffderivat und 6-Chlornikotinsäure.

 

 

2.2       Physikalische und chemische Eigenschaften

Physikalischer Zustand: kristallisierter Feststoff

Dampfdruck: 0,2 µPa bei 20°C

Löslichkeit in Wasser: 0,58 g/l bei 20°C

Log P = 0,57 (21°C)

Stabilität in Wasser: Halbwertzeit: 355 Tage bei einem pH-Wert von 9; sehr stabil bei einem pH-Wert von 5 bis 7; instabil bei einem pH-Wert von 10 bis 14.

 

 

2.3       Verhalten in der Umwelt

Beständigkeit auf freiem Feld: DT50 (in Tagen): mindestens: 79; maximal: 196

Photochemischer Abbau im Boden DT50 (in Tagen): 171, Lichtquelle: natürlich; Bodenart: unbekannt; Lokalisierung: Land unbekannt, Boden von der Firma ausgewählt.

Adsorption und Desorption (Koc und Kd): Koc – mindestens: 132; Koc maximal: 256.

Vorschriftsmäßige Werte

Toxikologische Einstufung: Xn R22 (Entscheidung der Kommission für Giftstoffe vom 18.11.92).

Gesundheitsschädlich (Xn); R22 giftig im Falle des Verschluckens.

 

 

3          Daten zur Exposition

 

Angesichts des Problems einer eventuellen Vergiftung von Bienen durch Imidacloprid ist es notwendig, die Mengen dieses Moleküls zu bestimmen, der sie in der Hauptsache durch Sonnenblumenpollen, Maispollen und Sonnenblumennektar ausgesetzt sein könnten. Anschließend ist es angezeigt, die auftretenden Risiken zu bewerten.

 

Mengenbestimmung von Imidacloprid in den Produkten, die von den Bienen eingesammelt werden.

Ein Teil der Untersuchungen, die sich auf die Mengenbestimmung von Imidacloprid im Pollen und im Nektar beziehen, weist Unzulänglichkeiten auf. Aus diesem Grunde können wir nur einige der verfügbaren Ergebnisse validieren. Die gesammelten Daten werden wie folgt präsentiert. Alle verfügbaren Daten werden im ersten Absatz beschrieben. Im zweiten Absatz werden nur die Daten angegeben, die bestimmten Validierungskriterien entsprechen und die für die späteren Phasen herangezogen werden. Ein Absatz schließlich befasst sich mit den oben genannten Kommentaren und der Darlegung der Perspektiven. Diese Präsentation wird für alle Arten von Daten verwendet.

Im Allgemeinen geben die in unserem Besitz befindlichen Berichte nicht an, ob die Imidaclopridgehalte in µg/kg Frischgewicht oder Trockengewicht des Pollens oder Nektars angegeben sind. Wenn diese Information bekannt ist, wird sie in den Tabellen angegeben:

 

3.1       Mengenbestimmungen im Pollen

a) Verfügbare Ergebnisse

 

Zahlreiche Mengenbestimmungen in Pollen wurden unter Verwendung vielfältiger Techniken durchgeführt.

Tabelle I nennt alle Ergebnisse und macht folgende Angaben:

-          Arten der Kulturen, die mit Imidacloprid behandelt worden sind (Pflanzen)

-          Anzahl der Stichproben, die dosiert worden sind (effektive Anzahl)

-          Grenze der Quantifizierung in µg/kg (ppb) (LQ)

-          Grenze der Feststellbarkeit in µg/kg (ppb) (LD)

-          Die wichtigsten Ergebnisse, die in der Studie enthalten sind

-          Bibliographische Verweise

-          Laboratorien, die die Analysen angestellt haben.

-          Verwendete Technik für die Mengenbestimmung

 

 

 

Tabelle I : Angegebene Ergebnisse5 der Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Pollen (T = Sonnenblumenpollen, Mt = Maispollen aus Pollenfallen, Mf = Maispollen, C = Rapspollen; ND = nicht festgestellt)

Pflanzen

Anzahl

LQ

(ppb)

LD

(ppb)

Ergebnisse

(ppb)

Verweise

Labors

Technik für die Mengenbestimmung von Imidacloprid

T (+M)

64

10

?

<10 (n=46)

ND (n=18)

M29

Bonmatin, 1998

CNRS/CBM

HPLC-MS

T

24

1

0,3

3

<0,3 (n=4)

<1 (n=6)

³ 1 (n=14)

M34*

Bonmatin, 2001

CNRS/CBM

HPLC-MS/MS

T

2

5

1,5

ND

M10

Schmuck et al, 1999

Bayer

HPLC-MS/MS

T

2

5

1,5

ND

M11

Schmuck et al, 1999

Bayer

HPLC-MS/MS

T

14

2

1,5

<2

<1,5 (n=11)

³2 (n=3)

M31

Lagarde, 2000

CETIOM

GC-MS/MS

T

5

?

?

13,3

M111

Laurent et Scalla, 2001

INRA

Radioaktivität

T

2

(22 Pflanzen)

3,3

M5

Stork, 1999

Bayer

Radioaktivität

+ CCM-2D + AMD

Mt

6

1

0,3

2

M34, M213*

Bonmatin, 2001

CNRS/CBM

HPLC-MS/MS

Mt

14

1

0,43

< 0,4 (n=6)

< 1 (n=2)

³ 1 (n=6)

M210, M215*

Bonmatin, 2002

CNRS/CBM

HPLC-MS/MS

Mf

12

1

0,25 und 0,3

3,3 < m < 3,7

< 1 (n=7)

³ 1 (n=8)

M210, M215*

Bonmatin, 2002

CNRS/CBM

HPLC-MS/MS

C

16, gepoolt in 4

(2 Standorte, 2 Entnahmen pro Standort/Volk

(4))

1

0,3

< 1

(n=2, 1 Standort)

³ 1

(n=2, 1 Standort)

M143

Scott-Dupree und Spivak

2000

Universitäten von Guelph (Kanada) und Minnesota (USA)

HPLC-MS/MS

Mf

4 Standorte

5

0,15

< 5

M147

Bayer

HPLC-MS/MS

Mf

1 Standort

5

0,15

< 0,15

M148

Bayer

HPLC-MS/MS

5 Die Ergebnisse dieser Tabelle erscheinen so, wie sie in den Studien angegeben sind.

Die Studien vor weißem Hintergrund entsprechen den validierten Ergebnissen, die im folgenden Absatz beschrieben werden.

* Bei den Studien M34, M210 werden die Ergebnisse nicht validiert, obwohl die Protokolle validiert werden, was die teilweise Einfärbung der Tabelle erklärt. Die durchschnittlichen Imidaclopridgehalte, die in diesen Studien angegeben sind, wurden unter Ausschluss derjenigen Stichproben neu berechnet, die nicht den Validierungskriterien entsprechen, die von den Mitgliedern des CST aufgestellt worden sind.

 

Die Analysen betreffen Sonnenblumenpollen (M34, M29, M5, M31, M10, M11 und M111) und Maispollen (M34, M210, M213, M215, M147 und M148).

Die Ergebnisse der Mengenbestimmungen bei Rapsblütenpollen auf dem amerikanischen Kontinent sind hinweishalber angeführt (M143).

 

Die Techniken HPLC-MS (M29) und HPLC-MS/MS (M10, M11, M34, M143, M147, M148 und M210) messen nur den Gehalt an Imidacloprid. Die Technik GC-MS/MS (M31) misst den Gesamtgehalt an Rückständen.

 

 

Die Studien, die mit Saatgut angestellt worden sind, das mit Imidacloprid gebeizt wurde, das mit C14 markiert worden ist, erfolgen unter besonderen Aussaatbedingungen (M111 und M5).

Die Mengenbestimmung der Gesamtradioaktivität ergibt ebenfalls nur den Gesamtgehalt an Rückständen. Gleichwohl hat Stork (1999, M5) diese Untersuchung mit einer Dünnschichtchromatographie in zwei Dimensionen und mit der AMD-Technik kombiniert. Dies hat die Feststellung erlaubt, dass die Radioaktivität im gelösten Teil des Pollens nur in Form von Imidacloprid vorliegt.

 

Im übrigen möchten die Mitglieder des CST den vorhandenen Unterschied zwischen Pollen aus Pollenfallen und Blütenpollen unterstreichen. Der Pollen aus Pollenfallen, der im Bienenstock selbst geerntet wird, reflektiert die Umwelt des Bienenvolks, weil er aus der Summe der Pollenkugeln der verschiedenen Feldbienen besteht. Wenn der Bienenstock in einem Gebiet mit starker landwirtschaftlicher Nutzung aufgestellt wird, wird der Pollen aus der Pollenfalle homogen sein, weil er aus Pollenkugeln der gleichen Pflanzengattung besteht, die der gleichen Pflanzenschutzbehandlung unterzogen worden sind.  Wenn der Bienenstock in einer heterogenen Umgebung aufgestellt wird, kann der Pollen in der Pollenfalle aus Pollenkugeln bestehen, die von unterschiedlichen Pflanzengattungen und/oder identischen Pflanzengattungen mit oder ohne Behandlung mit Gaucho stammen. Aus diesem Grund können die festgestellten Imidaclopridmengen in den Pollenstichproben aus der Pollenfalle unterschätzt werden. Im übrigen stört das Aufstellen von Pollenfallen die Aktivitäten des Bienenvolks. Daher kann es sein, dass die angestellten Mengenbestimmungen anhand von Pollen aus der Pollenfalle nicht repräsentativ sind. Sie werden deshalb bei der Bewertung der Exposition für die Berechnung der Risiken nicht berücksichtigt.

 

b) Gültigkeit der Ergebnisse

 

Die Kriterien für die Validierung der Ergebnisse aus der Mengenbestimmung in Pollen, die von den Mitgliedern des CST herangezogen worden sind, lauten wie folgt:

  • Nr. 1: eine ausreichende Zahl von Stichproben, die von verschiedenen Standorten stammen. In bestimmten Fällen (Mengenbestimmung in Nektar) können mehrere Versuche zusammengefasst werden, vorausgesetzt die Methoden für die Stichprobenentnahme und Mengenbestimmung sind einheitlich.
  • Nr. 2: eine vollständige und eindeutige Vorgeschichte der Stichproben und Methoden für die Stichprobenentnahme, je nach untersuchtem Trägermaterial.
  • Nr. 3: die Grenzen der Quantifizierbarkeit und Messbarkeit werden in den Studien angegeben und sind niedrig genug (LQ = 1 ppb; LD < 0,5 ppb).
  • Nr. 4: eine spezifische Methode für die Mengenbestimmung von Imidacloprid und seiner Metaboliten, um die Unsicherheiten bei der Risikobewertung zu begrenzen (keine Mengenbestimmung von Gesamtrückständen).
  • Nr. 5: ein Stichprobengewicht, das mit dem erforderlichen Gewicht für die Validierung der Methode übereinstimmt.
  • Nr. 6: Stichproben, die für die natürlichen Umweltbedingungen repräsentativ sind.

 

 

Im übrigen müssen die Beschreibung der Protokolle und die Studienberichte klar und für die  Sachverständigen des CST akzeptabel sein. Das Labor CNRS/CBM hat ungefähr die Hälfte der Mengenbestimmungen durchgeführt. Einige der Berichte werfen Fragen auf. Aus diesem Grunde hat sich die Expertengruppe des CST (Arnold, Declercq, Personeni, Rortais und Thybaud) nach Orléans in die Labors des CNRS/CMB (Herr Bonmatin) und des Biotec Centre (privates Labor als Subunternehmer für die Analysen) begeben, um nähere Angaben über die Versuchsmethoden, die Stichprobenentnahme, die Präsentation und die Interpretation der Ergebnisse zu bekommen. Eine Liste der Fragen zu den Methoden und Ergebnissen war den Labors vorab übermittelt worden (Anhänge IV und V).

Die wichtigsten Schlussfolgerungen dieses Besuchs sind in Anhang V dargelegt und gelten für alle angestellten Mengenbestimmungen (Pollen, Nektar, Pflanzen und Erdreich). Insbesondere haben die Mitglieder des CST angemerkt, dass in den meisten der gelieferten Berichte Angaben über die genaue Beschaffenheit und Vorgeschichte der Stichproben und/oder über die Anzahl der analysierten Stichproben für einen bestimmten Untersuchungsparameter fehlen. Die den Stichproben entsprechenden Entnahmedatenblätter wurden in der Folge an das CST übermittelt.

Eine Verbesserung der Analysemethode zwischen 1998 und den anschließenden Untersuchungen wurde ebenfalls festgestellt.

 

*          Mengenbestimmungen in den Sonnenblumenpollen

Trotz einer großen Zahl von getesteten Stichproben wurden die Ergebnisse der Untersuchungen des Labors CNRS/CMB (1998, M29) auf Grund der Unsicherheiten hinsichtlich des Pollentyps und auf Grund dessen, dass die Methode, die im Jahre 1998 verwendet worden ist, nicht spezifisch genug war und zu einem hohen LQ (10 ppb) geführt hat, nicht validiert (Anhang VI).

 

Die Methode HPLC-MS/MS, die ab 1999 entwickelt worden ist, erfüllt die Anforderungen, die an die Spezifizität gestellt werden und ermöglicht eine Quantifizierung von geringen Gehalten (LQ = 1 ppb). Diese Tatsache erlaubt eine Validierung der Mengenbestimmungen von Sonnenblumenpollen (M34), die im Biotec Centre (Anhang VII) angestellt worden sind. Aber auch wenn die entsprechende Studie (M34) validiert worden ist, können wir deren Schlussfolgerungen nicht in ihrer jetzigen Form akzeptieren. Tatsächlich berücksichtigen die Berechnungen der durchschnittlichen Imidaclopridgehalte in den Pollen Pollenstichproben aus Pollenfallen (n=20), eine Stichprobe von Sonnenblumenstaubbeuteln und Stichproben unbekannter Art (n=3). Im Bemühen um Genauigkeit erschien es uns daher notwendig, nur die Pollen aus der Pollenfalle heranzuziehen. Die berechneten durchschnittlichen Imidaclopridgehalte und die Verteilung der 20 Stichproben im Hinblick auf ihren Pestizidgehalt sind in Tabelle II angegeben.

 

Tabelle II: Ergebnisse der validierten5 Mengenbestimmungen von Imidacloprid in den Pollen von  Sonnenblumen, die mit Gaucho behandelt worden sind

 

Art der Stichprobe

Anzahl

Imidaclopridgehalt

(ppb)[1]

Verteilung

Pollen aus Pollenfallen in einem mit Gaucho behandelten Gebiet

(Bonmatin, 2001, M34)

20

2,1 < m < 2,3

Median = 1,6

90. Perzentil = 3,9

10. Perzentil = 0,5

Anzahl

 

Konzentrationen

Sonnenblumenpollen

(Stork, 1999, M5)

2

(22 Pflanzen)

3,3 < m 3,4

-

-

- : Berechnung und Verteilung auf Grund des Datenpools unmöglich;  5  Die Ergebnisse dieser Tabelle wurden ohne diejenigen Stichproben angestellt, die einen Mangel an Informationen oder Unsicherheiten aufwiesen. Die validierten und für diese Berechnungen verwendeten Stichproben erscheinen in Anhang VII vor weißem Hintergrund.

 

 

Die durchschnittliche Imidaclopridkonzentration im Pollen aus Pollenfallen in dem mit Gaucho behandelten Gebiet beträgt zwischen 2,1 und 2,3 ppb, der Median beträgt 1,6 ppb.

 

 

Von den 20 analysierten Stichproben haben zwei einen Wert unterhalb der Messgrenze (LD = 0,3 ppb), fünf einen Wert unterhalb der Grenze der Quantifizierbarkeit (LQ = 1 ppb) und 13 einen Wert oberhalb dieser Grenze.

 

Die Studie von Stork (1999, M5), die die Methode der Radioaktivität, gekoppelt mit einer CCM-2D und AMD verwendet, weist eine akzeptable Anzahl von Stichproben (n=22 Stichproben, gepoolt in 2 Partien) und akzeptable Anbaubedingungen auf (Aussaat im Februar in Töpfe). Das Volumen je Pflanze (1300 cm³) ist mit einer Situation auf dem Feld vergleichbar (1300 cm³). Infolge dessen wird sie validiert. Die dosierten Stichproben betreffen Stichproben von Pollen von Sonnenblumen, die mit Gaucho behandelt worden sind. Der durchschnittliche Gehalt beträgt 3,3 ppb. In dieser Studie wurde kein Metabolit festgestellt.

 

Die Studie von Lagarde (2000, M31) legt eine Analyse mit Gesamtrückständen vor und keine Analyse von Imidacloprid allein. Allerdings stimmen die Ergebnisse mit denen von Bonmatin (2001, M34) überein und verleihen allen diesen Analysen Glaubwürdigkeit.

 

Die Studien von Schmuck et al. (1999, M10 und M11) und diejenigen von Laurent und Scalla (2001, M111) werden wegen einer geringen Zahl von Stichproben, eines hohen LQ (LQ= 5ppb bei M10 und M11) oder unbestimmten LQ (M111) und nicht optimalen Bedingungen für den Anbau der Sonnenblumen (Aussaat im Juli und  Ernte im Oktober, mangelhaftes Wachstum der Pflanzen) (M111) nicht validiert.

 

 

*          Mengenbestimmungen in Maispollen

 

Bei den Mengenbestimmungen in Maispollen wurden zwei Serien von Stichprobenentnahmen (1998-1999; 2000) angestellt, die Anlass zu 2 Serien von Analysen durch das Biotec Centre gegeben und zu zwei Studien M34 (Bonmatin, 2001) und M210 (Bonmatin, 2002) geführt haben. Anlässlich der Studie M34 wurden 10 Stichproben entnommen, wovon 6 auf Pollen aus Pollenfallen in einem Gebiet mit Gaucho-Mais, 2 auf Rispen von Mais, der mit Gaucho behandelt worden ist und 2 auf Stichproben unbekannter Art entfallen (Anhang VII). Anhand der Datenblätter über die Stichprobenentnahmen wurden Unsicherheiten bezüglich der Beschaffenheit und vorgenommenen Behandlungen festgestellt. Die Anzahl der unzweideutigen Stichproben ist somit zu gering (n=3 beim Pollen aus Pollenfallen, n=2 beim Pollen aus Maisrispen). Deshalb wird die entsprechende Studie (M34) im Hinblick auf die Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Maispollen nicht validiert.

 

Dagegen basiert die Studie M210 (Bonmatin, 2002; Anhang VIII) mehrheitlich auf Stichproben, die von Testapi entnommen worden sind und eine gute Rückverfolgbarkeit aufweisen. Gleichwohl sind einige der Stichproben, die in diesem Bericht M210 präsentiert werden, Stichproben, die im Jahre 1998 entnommen und getestet worden sind (Studie M34) und im Jahre 2000 erneut analysiert wurden. In Anbetracht der voranstehend erwähnten Unsicherheiten in Verbindung mit diesen Stichproben berücksichtigen wir sie in der weiteren Folge der Bewertung nicht.

Die Analysemethode der Studie M210 hält sich an die Kriterien, die von den Mitgliedern des CST aufgestellt worden sind. Diese Studie wird somit validiert, jedoch unter dem Vorbehalt, dass nur die von Testapi entnommenen Stichproben berücksichtigt werden und die Stichproben, die aus der Studie M34 stammen, unberücksichtigt bleiben. Die berücksichtigten Stichproben sind Stichproben von Pollen aus Pollenfallen oder Stichproben von Pollen aus Rispen. Ihre Beschreibung befindet sich in Anhang VIII.

 

Die berechneten durchschnittlichen Gehalte und die Verteilungen der ausgewählten Stichproben sind in Tabelle III angegeben.

 

 

Tabelle III: Ergebnisse der validierten 5 Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Maispollen

Pollentyp

Anzahl

Imidaclopridgehalt

(ppb)[2]

Verteilung

Pollen aus Rispen von Gaucho-Mais

(Bonmatin, 2002, M210)

15

3,28 < m < 3,65

Median = 1,2

90. Perzentil = 8,55

10. Perzentil = 0,5

Anzahl

 

Konzentrationen

Pollen aus Pollenfallen in einem Gebiet mit Mais, der mit Gaucho behandelt worden ist

(Bonmatin, 2002, M210)

9

0,69 < m < 0,81

Median = 0,215

90. Perzentil = 1,36

10. Perzentil = 0,215

Anzahl

 

Konzentrationen

5  Die Ergebnisse dieser Tabelle wurden ohne diejenigen Stichproben angestellt, die einen Mangel an Informationen oder Unsicherheiten aufwiesen. Die validierten und für diese Berechnungen verwendeten Stichproben erscheinen in Anhang VII vor weißem Hintergrund.

 

 

Es war nicht möglich, Rückschlüsse hinsichtlich des Vorhandenseins von Imidacloprid im Pollen von Mais zu ziehen, der aus einem Anbau stammt, der im Jahr vor der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist und im Jahr der Stichprobenentnahme nicht behandelt wurde, weil die Anzahl der validierten Stichproben zu gering war (n=1 beim Blütenpollen, n=0 beim Pollen aus Pollenfallen).

 

Was die Studien M147 und M148 (Bayer) anbelangt, handelt es sich um Studien im Vorfeld des Antrags auf Zulassung von Gaucho, wobei die Grenze der Quantifizierbarkeit 5 ppb beträgt. Diese Studien werden nicht validiert. Im übrigen haben wir keinerlei Angaben zur Anzahl der Stichproben, zu ihrem Gewicht usw. erhalten.

 

 

*          Mengenbestimmungen in Rapspollen

 

Die Studie M143 (Scott-Dupree et al, 2000) verweist auf Mengenbestimmungen in Pollen aus Pollenfallen in einem Gebiet mit Raps, der mit Gaucho behandelt worden ist. Die Studie hat in den USA stattgefunden, wo das Beizen von Raps zulässig ist. Diese Behandlung ist in  Frankreich nicht zugelassen. Zwei Stichprobenentnahmen pro Bienenstock an jedem der beiden Standorte wurden vorgenommen. Die Entnahmen aus den 4 Bienenstöcken wurden sodann gepoolt. Wie bei der Studie von Stok (M5, 1999) halten wir die Anzahl der Stichproben für zufriedenstellend. Die Grenzen der Quantifizierbarkeit und Messbarkeit betragen jeweils 1 ppb und 0,3 ppb. Diese Studie wird somit validiert. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass diese Studie auf einen kanadischen Frühjahrsraps bezug nimmt, der nicht mit dem in Frankreich angebauten Winterraps vergleichbar ist.

 

 

 

Tabelle IV: Ergebnisse der validierten Mengenbestimmungen von Imidacloprid und seinen Metabolilten in Rapspollen (das Beizen des Saatguts mit Gaucho ist in Frankreich nicht zulässig)

 

Stichprobentyp

Anzahl

Analysierte Substanz

Gehalt an Imidacloprid[3]

Pollen aus Pollenfallen in einem Gebiet mit Raps, der mit Gaucho gebeizt worden ist

(Scott-Dupree & Spivak, 2000, M143)

16

Imidacloprid

3,15 < m < 3,5

Median = 2,45

90. Perzentil = 6,64

10. Perzentil = 0,5

-

Olefin

Hydroxyimidacloprid

< LQ (1)

- : Die Verteilung der Stichproben im Verhältnis zu ihrem Gehalt an aktiven Substanzen wurde nicht vorgenommen, wegen des Poolens der Stichproben, das zu 4 Rohdaten führt.

 

 

c)         Kommentare und Perspektiven

 

Die Validierung der Daten aus den Berichten des Labors CNRS/CBM ermöglicht die Schlussfolgerung, dass die Mengen an Rückständen von Imidacloprid in den Pollen aus Pollenfallen in einem Gebiet mit Sonnenblumen, die mit Gaucho behandelt worden sind, zwischen 2,1 und 2,3 ppb beträgt. Bei den Pollen, die aus Sonnenblumen entnommen worden sind, die mit Gaucho behandelt wurden, ergibt die Studie von Stork einen Imidaclopridgehalt von 3,3 ppb.

Bei den Poolen aus Rispen von Mais, der mit Gaucho behandelt worden ist, gelangen wir zu Imidaclopridgehalten zwischen 3,28 und 3,65 ppb. Für Maispollen müssen Szenarien für eine Vergiftung auf topischem und oralem Weg aufgestellt werden.

 

Was den Maispollen betrifft, zeigen die Analysen an Pollen aus Pollenfallen in einem Gebiet, in dem der Mais mit Gaucho behandelt worden ist, unter den Versuchsbedingungen Imidaclopridrückstände zwischen 0,69 und 0,81 ppb.

Die Analysen von Rapspollen aus Pollenfallen in einem Gebiet mit Gaucho-Behandlung zeigen durchschnittliche Imidaclopridgehalte, die mit denen vergleichbar sind, die bei Pollen aus Pollenfallen in einem Anbaugebiet für Sonnenblumen gemessen worden sind und belaufen sich auf 3,15 bis 3,5 ppb.

Es scheint somit ein Unterschied zwischen den Pollen aus Pollenfallen in einem Maisanbaugebiet und solchen aus Anbaugebieten für Sonnenblumen und Raps zu bestehen.. Gleichwohl stammen die Pollen aus Pollenfallen aus einer Mischung von Pollen, die von mehreren Blütenarten stammen, die mit Gaucho behandelt worden sind oder auch nicht. Somit könnten sich die unterschiedlichen Imidaclopridkonzentrationen, die zwischen  den Pollen aus Pollenfallen beobachtet worden sind, durch ein Übergewicht beim Absammeln von Sonnenblumen erklären, während Mais weniger attraktiv ist, wobei der Maispollen mit den Pollen von anderen Blüten vermischt wäre, die nicht notwendigerweise mit Gaucho behandelt worden sind. Die Arbeiten der zoologischen Abteilung des INRA Le Magneraud (Odoux et al, M159) bestätigen diese Hypothese. Abbildung 1 zeigt eine Überlagerung des Vorhandenseins von Sonnenblumenpollen und Maispollen in der 2. Julihälfte.

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1: Analyse des Pollens in Pollenkugeln von Bienen, die in Pollenfallen geerntet worden sind (nach Odoux et al, 2003; M159):

 

Typ Brassica (Raps)                Sonnenblume               Mais

 

% des Pollens*

 

 

 

Datum der Ernte

* die Prozentsätze an Pollen sind in Mengenprozenten des Gesamtpollens angegeben.

Im übrigen kommen wir nicht umhin die Tatsache zu bedauern, dass keine Studie in bezug auf die Inhaltsmengen an Rückständen der Metaboliten von Imidacloprid in den Pollen von Sonnenblumen und Mais validiert werden konnte. Die Metaboliten besitzen eine eindeutige Toxizität für die Bienen. Das betrifft insbesondere Olefin (siehe Absatz 4). Desgleichen konnten wegen der mangelhaften Kontrolle der Stichprobenentnahme keinerlei Schlussfolgerungen über das Vorhandensein von Imidacloprid in den Pollen aus Pollenfallen in einem Anbaugebiet für Sonnenblumen oder Mais infolge einer Behandlung mit Gaucho  in dem oder in den Jahren vor der Stichprobenentnahme gezogen werden.

Das CST empfiehlt, die Stichprobenentnahmen künftig unter Beachtung der guten Laborpraktiken (BPL) vorzunehmen. Es wäre auch notwendig, dass die Labors in der Lage sind, den Gehalt an Metaboliten des Imidacloprids (Hydroxyimidacloprid, Olefin, Dihydroxyimidacloprid, Harnstoffderivat, Guanidinderivat) mit ausreichend niedrigen Grenzen für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit (< 1 ppb) zu bestimmen.

 

 

3.1.1     Mengenbestimmungen im Nektar

 

a) Verfügbare Ergebnisse

 

Mit den gleichen Techniken, wie für die Analyse von Pollen, wurde der Gehalt von Imidacloprid auch im Nektar von  Sonnenblumen (M28, M37, M10, M11, M31, M5) und Raps (M143) bestimmt. Alle Ergebnisse sind in Tabelle V angegeben.

 

 

Tabelle V : Angegebene Ergebnisse5 der Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Nektar

 

(T = Sonnenblumenpollen,  C = Rapspollen; ND = nicht festgestellt)

Pflanzen

Anzahl

LQ

(ppb)

LD

(ppb)

Durchschnitts-werte

(ppb)

Verweise

Labors

Technik für die Mengenbestimmung von Imidacloprid

T

38

10

?

<10 (n=8)

ND (n=30)

M28

Bonmatin, 1998

CNRS/CBM

HPLC-MS

T

2

10

4,2

< 4,2

M37

Bonmatin, 2001

CNRS/CBM

HPLC-MS/MS

T

1

5

1,5

ND

M10

Schmuck et al, 1999

Bayer

HPLC-MS/MS

T

1

5

1,5

ND

M11

Schmuck et al, 1999

Bayer

HPLC-MS/MS

T

4

1

0,8

1,6 (n=1)

< 0,8 (n=3)

M31

Lagarde, 2000

CETIOM

GC-MS/MS

T

2

(22 Pflanzen)

1,9

M5

Stork, 1999

Bayer

Radioaktivität

+ CCM-2D + AMD

C

4

(2 Standorte, 2 Entnahmen pro Standort)

1

0,3

< 1 (n=4)

M143*

Scott-Dupree und Spivak

2000

Universitäten von Guelph (Kanada) und Minnesota (USA)

HPLC-MS/MS

5 Die Ergebnisse dieser Tabelle erscheinen so, wie sie in den Studien angegeben sind. * Die Studie wurde in den USA angestellt, wo das Beizen des Saatguts von Raps mit Gaucho im Gegensatz zu Frankreich gestattet ist. Die Studien vor weißem Hintergrund entsprechen den validierten Ergebnissen, die im folgenden Absatz beschrieben werden.

 

 

Anzumerken ist, dass die Matrix anders ist und die Extraktionstechniken deshalb nicht zu einem so geringen LQ geführt haben, wie beim Pollen (M28 und M37) im Falle der Untersuchungen, die von der Firma Biotec für das Labor CNRS/CBM angestellt worden sind. Gleichwohl gelingt es einem Labor (Universität Guelph und Universität Minnesota), sachdienliche Grenzen für die Quantifzierbarkeit und Messbarkeit zu erreichen.

 

 

b) Gültigkeit der Ergebnisse

 

Die Kriterien für die Validierung sind mit denen identisch, die für die Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Pollen verwendet worden sind.

 

Trotz einer großen Zahl von Stichproben werden die Mengenbestimmungen im Nektar in den Bienenstöcken, die vom Labor CNRS/CBM im Jahre 1998 (M28) angestellt worden sind, aus den gleichen Gründen nicht validiert, die für die Mengenbestimmungen im Pollen im Jahre 1998 gelten (Methode nicht spezifisch genug, hoher LQ). Im Jahre 2001 hat dieses Labor nur zwei Stichproben von Nektar von Sonnenblumen getestet, die mit Gaucho behandelt waren. Diese Stichproben besitzen eine geringere Masse, als sie für die verwendete Technik erforderlich ist (M37); diese Ergebnisse werden deshalb nicht akzeptiert.

Ebenso wie bei der Mengenbestimmung in Pollen weisen die Studien von Schmuck (M10 und M11) eine zu hohe LQ (5 ppb) auf. Die Studie von Lagard (M31) basiert auf einer zu geringen Zahl von Stichproben (n=4) und gibt nur den Gehalt an Gesamtrückständen an. In Anbetracht dieser Unzulänglichkeiten können diese Studien nicht validiert werden.

Die Studie von Stork (M5) basiert auf einer ausreichenden Zahl von Stichproben (11 Stichproben, gepoolt in 2 Partien). Infolge dessen validieren wir diese Studie und den Gehalt von 1,9 ppb an Imidacloprid im Sonnenblumennektar (die Berechnung des Medians ist wegen des Fehlens der Rohdaten nicht möglich).

Beim Nektar von Raps, der mit Gaucho behandelt worden ist (was in Frankreich nicht zulässig ist), validieren wir die Studie M143 (Tabelle VI) bezüglich der Mengenbestimmung von Imidacloprid und 2 seiner Metaboliten.

 

 

 

 

Tabelle VI: Ergebnisse der validierten Mengenbestimmungen von Imidacloprid und seinen Metabolilten in Rapsnektar*

 

Stichprobentyp

Anzahl

Analysierte Substanz

Gehalt an Imidacloprid1

Nektar von Raps, der mit Gaucho gebeizt worden ist

(Scott-Dupree & Spivak, 2000, M143)

16

Imidacloprid

0,5 < m < 0,85

Median = 0,55

90. Perzentil = 0,74

10. Perzentil = 0,5

-

Olefin

Hydroxyimidacloprid

< LQ (1)

- : Die Verteilung wurde nicht vorgenommen, wegen des Poolens der Stichproben, das zu 4 Rohdaten führt. * Die Studie wurde in den USA durchgeführt, wo das Beizen von Rapssaat mit Gaucho im Gegensatz zu Frankreich zulässig ist.

 

 

c) Kommentare und Perspektiven

 

Es ist notwendig, weitere Stichprobenentnahmen (BPL) und Mengenbestimmungen in Betracht zu ziehen und vorrangig ein oder mehrere Labors zu finden, die in der Lage sind, die Menge an Imidacloprid allein im Nektar zu bestimmen, unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Matrix und der Schwierigkeiten, Nektar in großer Menge zu bekommen. Eine Ausnahmeregelung für den Anbau von Sonnenblumen mit Gaucho-Behandlung unter der Voraussetzung der Einkapselung der Blütenstände, um jeden Kontakt mit den Bienen zu vermeiden, muss vorab getroffen werden.

Im übrigen wäre es von Nutzen, Mengenbestimmungen von Imidacloprid im Honig vorzunehmen, um festzustellen, was mit dem Wirkstoff im Laufe der Umwandlung von Nektar in Honig und im gelagerten Honig passiert.

 

 

3.2. Mengenbestimmungen von Imidacloprid im Erdreich und Remanenz

 

a) Verfügbare Ergebnisse

 

In den Laborstudien, die im Rahmen des Antrags auf Genehmigung der Vermarktung von Imidacloprid angestellt worden sind, beträgt die Halbwertzeit dieser Substanz 188±25 Tage auf sandig-lehmigem Boden und 249±50 Tage auf hochfeinem, lehmigem Boden (M22). Seine Fähigkeit zur Anreicherung im Boden ist gering (Adsorptionskonstante von 1,17 bis 3,59). Dagegen ist Imidacloprid sehr lichtempfindlich (M22). Auf freiem Feld (M76) beträgt die Halbwertzeit 140±41 Tage auf nacktem Boden (n=10), und zwei Studien auf kultiviertem Boden ergeben eine Halbwertzeit von 102 und 125 Tagen. Anzumerken ist, dass wir für diese Studie nur über die Rohergebnisse verfügen. Dieses Molekül ist somit persistent im Sinne der Verordnung. Eine Mitteilung der Behörde für die Regelung der Parasitenbekämpfung  in Kanada (M255) ergibt eine längere Halbwertzeit (1 bis 2 Jahre) unter den Bedingungen des Feldanbaus, aber wir verfügen nicht über die entsprechenden Ergebnisse. Diese Ergebnisse können sich durch die Tatsache erklären lassen, dass die Böden in den Rapsanbaugebieten gefroren oder sehr kalt bleiben und somit während des größten Teils des Jahres nur geringe mikrobielle Aktivitäten für den Abbau von Imidacloprid vorhanden sind. Mengenbestimmungen im Erdreich wurden auch auf Parzellen angestellt, die in den vorangegangenen Jahren mit Imidacloprid behandelt worden sind oder nicht. Diese Mengenbestimmungen wurden einerseits von der Firma Bayer für Probenentnahmen vor der Aussaat des Jahres A und andererseits vom Labor CNRS/CBM und von der Firma Biotec-Centre für Probenentnahmen nach dem Anbau im Jahre A angestellt. Die Ergebnisse und die Vorgeschichte der Stichproben sind in Tabelle VII angegeben. Die Berichte, die sich in unserem Besitz befinden, enthalten keine Angaben darüber, ob die Gehalte an Imidacloprid in µg/kg Frischgewicht oder Trockengewicht des Bodens angegeben sind.

 

 

 

 

 

 

Tabelle VII : Angegebene 5 Mengenbestimmungen von Imidacloprid im Boden

 

Bericht

Methode

Vorgeschichte der Behandlung mit Imidacloprid*

Anzahl (n)

Bodenart

Imidacloprid

(µg/kg)

LD

(µg/kg)

LQ

(µg/kg)

M10

Schmuck et al., 1999

Standort Laacher Hof*

HPLC-MS-MS

(Verhältnis Mutter-/Tochterion ohne NO2

Keine Behandlung mit Imidacloprid in J, J-1, J-2, J-3

Imidacloprid in J-1,5

Imidacloprid in J-0,5

Imidacloprid in J-1 und J-0,5

2

1

1

1

lehmhaltiger Sand

< LD

15,7

12,7

14,3

2

6

M11

Schmuck et al., 1999

Standort Höfchen*

HPLC-MS-MS

(Verhältnis Mutter-/Tochterion ohne NO2

Keine Behandlung mit Imidacloprid in J, J-1, J-2, J-3

Imidacloprid in J-1,5 und J

Imidacloprid in J-0,5

2

1

1

tonhaltiger Lehm

< LD

18

< LQ

2

6

M19, M21, M150

Bonmatin,

2000-2001

HPLC-MS-MS

(Verhältnis Mutter-/Tochterion ohne NO2

biologischer Anbau

6

nicht angegeben

<LD

m=10

0,13

1

Kurz nach dem Anbau

Imidacloprid

10

Max. = 21,9

<LQ (n=1)

> LQ (n=9)

Kurz nach dem Anbau, kein Imidacloprid, keine Vorgeschichte in J-1 und in J-2

10

m<LQ

max. = 1,5

<LD (n=3)

<LQ (n=6)

>LQ (n=1)

Kurz nach dem Anbau, kein Imidacloprid, Vorgeschichte mit Imidacloprid in J-1 und nicht in J-2,

22

Max = 15,2

<LQ (n=6)

>LQ (n=16)

Kurz nach dem Anbau kein Imidacloprid, Vorgeschichte mit Imidacloprid in J-1 und J-2

8

Max. = 22

<LD (n=2)

>LQ (n=6)

M137

Placke, 1998

HPLC-

UV-Messung

Nach Versprühen von Imidacloprid (Confidor) auf Böden, die mit Apfelbäumen bepflanzt sind, Kontrolle über 5 Jahre, mehrere Messungen pro Jahr

3 x 32

Lehmig

Sandig

Kreidig

5,6

8,4

13,7

2

6

M138

Placke, 1994

HPLC-

UV-Messung

Nach Versprühen von Imidacloprid (Zelmone) auf Böden, die mit Salat oder Rüben bepflanzt sind

1 Stichprobe pro Monat über 6 Monate

20 bis 36

2

6

5 Die Ergebnisse dieser Tabelle erscheinen so, wie sie in den Studien angegeben sind. Die Studien vor weißem Hintergrund entsprechen den validierten Ergebnissen, die im folgenden Absatz beschrieben werden.

*  Bei den Studien M19, M21 werden die Ergebnisse nicht validiert, obwohl die Protokolle validiert werden, was den teilweise weißen Hintergrund der Tabelle erklärt. Die durchschnittlichen Gehalte an Imidacloprid, die in diesen Studien angegeben werden, wurden neu berechnet, wobei diejenigen Stichproben außer Acht gelassen wurden, die nicht den Validierungskriterien entsprechen, die von den Mitgliedern des CST aufgestellt worden sind. * J entspricht dem Jahr der Stichprobenentnahme, J-1 dem Jahr davor usw. In den Studien M10, M11, M137 und M138 stammen die analysierten Stichproben von Möhren mit einem  Durchmesser von 5 cm und einer einheitlichen Tiefe von 30 cm. Diese Information ist für die Stichproben der Studie M19 nicht bekannt. Die angegebenen Werte entsprechen den Ergebnissen der Mengenbestimmungen nach fünfjähriger Behandlung mit Imidacloprid.

 

 

b) Gültigkeit der Ergebnisse

 

Die Validierungskriterien sind mit denen identisch, die für die Mengenbestimmungen in Pollen festgelegt worden sind.

 

Die verwendete Technik für die Mengenbestimmungen in diesen Studien ist HPLC-MS/MS, die voranstehend als spezifischste und empfindlichste Technik für die Mengenbestimmung von Imidacloprid allein beschrieben worden ist. Das bei Herrn Bonmatin (Labor CNRS/CBM) angestellte Audit hat die Validierung dieser Technik sowie der Grenzen der Messbarkeit und Quantifizierbarkeit ermöglicht, die für die Studie 1999-2000 (M19, M21, M150) beschrieben worden sind.

 

Es war schwierig, die Vorgeschichte der Bodenstichproben zu bekommen, die für die Analysen des Labors CNRS/CBM entnommen worden sind. Allgemein haben die im Nachhinein gelieferten Entnahmedatenblätter (M211) eine Verbesserung der Kenntnis der Stichproben ermöglicht. Die in diesen Datenblättern enthaltenen Informationen konnten häufig durch diejenigen ergänzt werden, die in den Datenblättern über die Stichprobenentnahme aus den Pflanzen (M212) angegeben waren, wenn Boden und Pflanzen am gleichen Standort entnommen wurden. Anhang IX zeigt alle Ergebnisse der Einzelstichproben mit der bekannten Vorgeschichte im Hinblick auf eine Behandlung mit Gaucho oder nicht und die verschiedenen Kulturen. Allerdings sei angemerkt, dass Unsicherheiten bezüglich der Vorgeschichte der Stichproben bestehen. Gleichwohl stimmt die Technik für die Mengenbestimmung von Imidacloprid, die in dieser Studie verwendet worden ist, mit den vom CST aufgestellten Validierungskriterien überein. Die Studie wird daher validiert, obwohl die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen in Frage gestellt werden. Indem nur diejenigen Stichproben berücksichtigt werden, deren Vorgeschichte und Beschaffenheit eindeutig bekannt sind, erhalten wir die folgenden durchschnittlichen Gehalte an Imidacloprid und Stichprobenverteilungen (Tabelle VIII):

 

 

 

Tabelle III: Ergebnisse der validierten 5 Mengenbestimmungen im Boden der Anbauflächen von Sonnenblumen

Pollentyp

Anzahl

Imidaclopridgehalt

(ppb)[4]

Verteilung

Boden von Anbauflächen, die im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden sind

8

10,2 < m < 10,3

Median = 7,45

90. Perzentil = 20,18

10. Perzentil = 1,5

Anzahl

 

Konzentrationen

Boden von Anbauflächen, die im Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden sind, aber über im Jahr J-1 mit Gaucho behandelt wurden

28

4,29 < m < 4,48

Median = 2,35

90. Perzentil = 12,75

10. Perzentil = 0, 5

Anzahl

 

Konzentrationen

5  Die Ergebnisse dieser Tabelle wurden ohne diejenigen Stichproben angestellt, die einen Mangel an Informationen oder Unsicherheiten aufwiesen.

Die validierten und für diese Berechnungen verwendeten Stichproben erscheinen in Anhang IX vor weißem Hintergrund.

 

 

Schlussfolgerung:

  • Kurz nach einer Kultur, die mit Imidacloprid behandelt worden ist, finden wir das Molekül noch immer in einer Menge von 10,2 bis 10,3 ppb (n=8).
  • 1 Jahr nach der letzten Behandlung mit Imidacloprid beträgt der durchschnittliche Gehalt im Boden 4,3 bis 4,5 ppb.

 

Wir weisen darauf hin, dass diese beiden Schlussfolgerungen mit denen übereinstimmen, die vom Autor dieser Studie gezogen worden sind. Allerdings werden die Schlussfolgerungen bezüglich der Anreicherungsphänomene im  Anschluss an mehrere aufeinanderfolgende Behandlungen mit Gaucho und den Einfluss der laufenden Kultur wegen der zu geringen Anzahl von Stichproben nicht bestätigt. Tatsächlich wurden in dieser Studie nur 8 Stichproben von dem Boden entnommen, in das in 2 aufeinanderfolgenden Jahren Saatgut eingesät worden ist, das mit Gaucho behandelt wurde (Anhang IX). Die Schlussfolgerungen bezüglich des Einflusses der laufenden Kultur basieren auf 4 Stichproben beim Mais und 6 bei Sonnenblumen.

Die Studien von Schmuck et al. (1999, M10 und M11) weisen nur eine geringe Anzahl von Stichproben und eine hohe LQ auf und können daher nicht validiert werden. Allerdings bestätigen die erzielten Ergebnisse diejenigen der Berichte M19 und M21 (Bonmatin, 2000, 2001).

 

Die Studien M137-M138 (Placke, 1994, 1998), die von Bayer ausgeführt worden sind, legen dar, was mit Imidacloprid im Boden passiert und den eventuellen Transfer auf die nachfolgenden Kulturen. Sie enthalten jeweils eine Bestimmung des Verhaltens von Imidacloprid im Boden während 6 aufeinanderfolgender Jahre nach Anwendung von Confiror und eine sechsmonatige Kontrolle der Imidaclopridgehalte im Boden bei Fruchtwechsel (Anwendung von Zelmone). Die Studie M137 gelangt zu einem Anstieg des Imidaclopridgehalts i mBoden während der ersten 3 Jahre und sodann zu einem Plateaueffekt. Ebenfalls festzustellen ist die Variabilität der Abbaubarkeit je nach Bodentyp.

Die Studie M138 gelangt zu einer Verringerung der Imidaclopridmenge im Boden um 50% nach Ablauf von 6 Monaten.

Trotz des Interesses dieser Studien werden wir sie für unsere Bewertung nicht berücksichtigen, wegen der Besonderheit der Behandlungen, die nicht unserem Fall des mit Gaucho gebeizten Saatguts entsprechen.

 

 

c) Kommentare und Perspektiven

 

Das Interesse einer Analyse der Imidaclopridgehalte im Boden wäre die Bewertung der Rückstandsmenge, die von den Pflanzen im Laufe späterer Jahre aufgenommen werden könnte. Im Falle des mit Gaucho gebeizten Saatgutes hat uns nur die Studie des Labors CNRS/CBM (Bonmatin, 2001, M21) die Möglichkeit gegeben, eine Verringerung der Imidaclopridrückstände im Boden im Jahr nach der Behandlung um 50% zu veranschlagen. Wegen der geringen Zahl von Stichproben ist es leider nicht möglich, Schlüsse in bezug auf mehrere aufeinanderfolgende Jahre zu ziehen.

Gleichwohl scheint im Falle des aufeinanderfolgenden Versprühens von Imidacloprid auf den Boden laut Abbildung 2, die anhand der Ergebnisse der Studien von Placke (M137, M138) erstellt worden ist, Anreicherungsphänomene von Jahr zu Jahr anzuzeigen. Die Imidaclopridmenge, die im Boden vorhanden ist, nimmt im Laufe der 3 ersten Jahre zu und stabilisiert sich danach an 2 von 3 Standorten.

 

 

 

Abbildung 2: Imidaclopridgehalt im Boden am Tag vor Beginn * einer jährlichen Behandlung

(mindestens 3 Versprühungen / Jahr) mit Cofidor (nach Placke, 1998; M137).

 

Standort Höfchen                    Standort Bechtolsheim                            Standort Freinsheim

Konzentrationen (ppb)

 

 

 

 

Jahr der Stichprobenentnahme, 1 Tag vor dem Versprühen

 

* Der Imidaclopridgehalt im Boden zu Beginn der Behandlung wurde nicht ermittelt. Der Gehalt im Jahre 1992 wurde willkürlich als Messgrenze gewählt, da der Boden im Laufe der vorangegangenen Jahre niemals zuvor mit Imidacloprid behandelt worden war.

 

 

Diese Anreicherungsphänomene bei aufeinanderfolgenden Behandlungen mit Gaucho würden eine erneute Untersuchung verdienen, und zwar im exakten Fall des Saatguts von Sonnenblumen und Mais, das mit Gaucho behandelt worden ist, mit besonderer Sorgfalt bei der Kontrolle der Stichprobenentnahme.

 

 

3.3       Weitere Entwicklung von Imidacloprid in der Pflanze

 

a) Verfügbare Ergebnisse

 

            *          Sonnenblumen

 

Zahlreiche Studien die die Techniken verwenden, die bereits bei den Mengenbestimmungen im Pollen dargelegt worden sind, haben zu einer Bewertung der Imidaclopridgehalte in Sonnenblumen mit Gaucho-Behandlung oder ohne Gaucho-Behandlung, aber mit Anpflanzung an einem Standort mit Gaucho-Vorgeschichte geführt. Sie wurden vom Labor CNRS/CBM und von der Gesellschaft Biotec (M30, M17, M21 und M150), von der Gesellschaft Bayer (M10 und M11), von CETIOM (M31) und vom INRA in Toulouse (M111) angestellt.

Alle Ergebnisse sind in Tabelle IX zusammengefasst. Anhang X erläutert die Codes, die für die Wachstumsstadien verwendet worden sind. Bei der Mehrzahl der Studien enthalten die in unserem Besitz befindlichen Berichte keine Angaben darüber, ob die Imidaclopridgehalte in µg/kg Frischgewicht oder Trockengewicht der Pflanze angegeben sind. Wenn diese Information bekannt ist, ist dies in der Tabelle angegeben.

 

Es besteht eine erhebliche Heterogenität bei den Bedingungen für den Anbau, den analysierten Pflanzenteilen, den Wachstumsstadien, in denen die Entnahmen erfolgt sind sowie bei den Quantifizierungsgrenzen der verschiedenen Analyseprotokolle. Es ist deshalb schwierig, diese Studien miteinander zu vergleichen.

 

*          Andere Pflanzen als Sonnenblumen

 

Das Labor CNRS/CBM hat sich auch für die Bestimmung der Imidaclopridmenge in Gaucho-Mais, oder in nicht behandelten Kulturen, wie Mais, Weizen, Raps und Luzernen interessiert, die auf Feldern ausgesät worden sind, die zuvor mit Imidacloprid behandelt worden waren (2000, M17, M21, M150; 2002, M209, M212, M214) (siehe Tabelle X).

 

 

 

Tabelle IX : Angegebene Ergebnisse5 der Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Sonnenblumen

 

Bericht

Methode

Kultur

Vorgeschichte mit Imidacloprid

Art der Stichproben

Wachstums-stadium

n

Imidacloprid

(µg/kg)

LD

LQ

M30

Bonmatin,

1998

HPLC-MS

T

Gaucho

-

Blätter

verschiedene

116

max = 20

<LQ (N=107)

>LQ (n=7=

0

Blütenstände

verschiedene

16

<LQ

M17, M21

und M150

Bonmatin,

2000

HPLC-MS/MS

T

Gaucho

-

verschiedene

verschiedene

26

m=4,3

max=9,1

LQ (n=26)

0,14

1

T ohne

Gaucho

Vorgeschichte in J-1

verschiedene

verschiedene

<LD (n=40)

<LQ (n=6)

>LQ (n=13)

M10

Schmuck

et al

1999

HPLC-MS/MS

T

Gaucho

Keine Vorgeschichte in J, J-1, J-2, J-3

Obere Blätter

Höhepunkt der Blüte

1

6

1,5

5

Blüten

1

<LD

T ohne Gaucho

Vorgeschichte in J-0,5 bis J-1,5

Obere Blätter

Höhepunkt der Blüte

3

<LD

Blüten

3

<LD

M31

Lagarde,

2000

Studie

T99GSP1

GC-MS/MS

T

Gaucho

T ohne Gaucho

Vorgeschichte J-1; J-2 und J-3 oder J-2, J-2 und J-3

Ganze Pflanze

B6 bis B8

6

381±223

1

5

Blätter unter den Blütenständen

F1 bis F2

7

39±19

Keine Vorgeschichte in A, A-1, A-2, A-3

Ganze Pflanze

B2 bis B10

7

460±211

Blätter unter den Blütenständen

F1 bis F2

7

32±18

Vorgeschichte in A-1; A-1 und A-2 oder A-1, A-2 und A-3

Ganze Pflanze

B4 bis B8

8

9,7±2,5

<LQ (n=1)

>LQ (n=7)

Blätter unter den Blütenständen

F1 bis F2

7

<LQ (n=5)

>LQ (n=2)

M31

Lagarde,

2000

Studie T99GER2

GC-MS/MS

T ohne Gaucho

Vorgeschichte in A-1; A-1 und A-2 oder A-1, A-2 und A-3

Ganze Pflanze

B6-B10

20

11,5±4,6

<LQ (n=1)

>LQ (n=18)

(+1 Skala 55

µg/kg)

1

5

5 Die Ergebnisse in dieser Tabelle erscheinen so, wie sie in den Studien angegeben sind.

Die Studien vor weißem Hintergrund entsprechen den validierten Ergebnissen, die im nachfolgenden Absatz beschrieben werden.

1 Bei den Studien M17, M21 werden die Ergebnisse nicht validiert, obwohl die Protokolle validiert werden, was den teilweise weißen Hintergrund der Tabelle erklärt. Die durchschnittlichen Imidaclopridgehalte, die in diesen Studien angegeben sind, wurden neu berechnet,  wobei die Stichproben, die nicht den Validierungskriterien entsprechen, die von den Mitgliedern des CST aufgestellt worden sind, unberücksichtigt geblieben sind. * J Entspricht dem Jahr der Stichprobenentnahme. J-1 dem Jahr davor usw. 2 Die Gehalte sind in µg/kg Frischgewicht angegeben.

 

 

 

Tabelle IX : Angegebene Ergebnisse5 der Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Sonnenblumen

 

Bericht

Methode

Kultur

Vorgeschichte mit Imidacloprid

Art der Stichproben

Wachstums-stadium

n

Imidacloprid

(µg/kg)

LD

LQ

M111

Laurent

und

Scalla

20001

Radioaktivität

T gebeizt mit 14C Imid.

Anbau im Topf

nein

Keimblatt

B4

4

27000

Wurzeln

4

560

Untere

Blätter

4

5700

Obere

Blätter

4

300

Stängel

4

100 bis 500

T gebeizt

mit 14

Imid.

Auf dem Feld

nach Aussaat im Topf

nein

Blätter

2880

Stängel

B4

5

130

Untere

Blätter

5

2757

Obere

Blätter

E4

5

143

Untere

Stängel

5

76

Obere

Stängel

5

14

Rückseite Blütenstände

5

33

Blütenebene

5

9,5

Obere

Blätter

F

5

521

Obere

Stängel

5

1

Rückseite  Blütenstände

5

4

Hüllkelch

5

22

Blütenboden

5

14

Blattscheide

5

27

5 Die Ergebnisse in dieser Tabelle erscheinen so, wie sie in den Studien angegeben sind.

Die Studien vor weißem Hintergrund entsprechen den validierten Ergebnissen, die im nachfolgenden Absatz beschrieben werden.

1 Bei den Studien M17, M21 werden die Ergebnisse nicht validiert, obwohl die Protokolle validiert werden, was den teilweise weißen Hintergrund der Tabelle erklärt. Die durchschnittlichen Imidaclopridgehalte, die in diesen Studien angegeben sind, wurden neu berechnet,  wobei die Stichproben, die nicht den Validierungskriterien entsprechen, die von den Mitgliedern des CST aufgestellt worden sind, unberücksichtigt geblieben sind. * J Entspricht dem Jahr der Stichprobenentnahme. J-1 dem Jahr davor usw. 2 Die Gehalte sind in µg/kg Frischgewicht angegeben.

 

 

 

 

 

Tabelle IX : Angegebene Ergebnisse5 der Mengenbestimmungen von Imidacloprid in anderen Pflanzen, als Sonnenblumen

 

Bericht

Methode

Kultur

Vorgeschichte mit Imidacloprid

Art der Stichproben

Wachstums-stadium

n

Imidacloprid

(µg/kg)

LD

LQ

M17, M21 und M50

Bonmatin, 2000

M212, Bonmatin, 2002

HPLC-MS/MS

Gaucho-Mais

Verschiedene

Stängel und Blätter

Verschiedene

12

m=5,8

min = <0,1

max = 19,8

0,14

1

Männlicher Teil

8

m = 3,8

min = 0,1

max = 9,1

Rispen

4

m = 10,7

min = 3,8

max = 19,8

Mais ohne Gaucho

Verschiedene

verschiedene

Verschiedene

7

max = 7,4

<LD (n=3)

<LD (n=2)

>LQ (n=3)

Weizen ohne Gaucho

Verschiedene

verschiedene

Verschiedene

8

<LD (n=3)

<LQ (n=3)

Raps ohne Gaucho

Verschiedene

verschiedene

Verschiedene

21

max = 5,1*

<LD (n=5)

<LQ (n=12)

>LQ (n=1)

Luzerne ohne Gaucho

Verschiedene

verschiedene

Verschiedene

2

< LD

M209, M214, Bonmatin, 2002

HPLC-MS/MS

Gaucho-Mais

Verschiedene

Rispen

Verschiedene, mehrheitlich nt BBCH65

27

m = 8,4

max = 30,3

1 interf.Peak

<LQ (n=2)

>LQ (n=24)

0,25

1

Mais ohne Gaucho

Verschiedene

Rispen

Verschiedene

14

max = 18

<LD (n=5)

<LQ (n=5)

>LQ (n=4)

5 Die Ergebnisse in dieser Tabelle erscheinen so, wie sie in den Studien angegeben sind.

Die Studien vor weißem Hintergrund entsprechen den validierten Ergebnissen, die im nachfolgenden Absatz beschrieben werden.

1 Bei den Studien M17, M21, M209 werden die Ergebnisse nicht validiert, obwohl die Protokolle validiert werden, was den teilweise weißen Hintergrund der Tabelle erklärt. Die durchschnittlichen Imidaclopridgehalte, die in diesen Studien angegeben sind, wurden neu berechnet,  wobei die Stichproben, die nicht den Validierungskriterien entsprechen, die von den Mitgliedern des CST aufgestellt worden sind, unberücksichtigt geblieben sind.

* : 3 interferierende Peaks

 

 

 

b) Gültigkeit der Ergebnisse

 

Die Kriterien für die Validierung sind mit denen identisch, die für die Mengenbestimmung von Imidacloprid in Pollen verwendet worden sind.

 

*          Sonnenblumen

 

Ebenso wie bei den Mengenbestimmungen in Pollen ist festzustellen, dass die Studien, die 1998 vom Labor CNRS/CBM (30) angestellt worden sind, nicht mit unseren Qualitätskriterien übereinstimmen, weil die verwendete Technik weder spezifisch genug, noch genau genug ist (LQ = 10). Anhang XI nennt dennoch die angestellten Einzelanalysen mit der bekannten Vorgeschichte der Stichproben.

Bei den Studien, die im Jahre 2000 angestellt worden sind (M17, M21, M150) war es ebenso wie bei den Bodenuntersuchungen schwierig, die Vorgeschichte einer Reihe von Stichproben zu erhalten. Der Vergleich der Rohdaten aus den Berichten M17 und M21 mit den kompletten Entnahmedatenblättern (2002, M212) zeigt eine Reihe von Unsicherheiten, die es uns nicht erlauben, diese Stichproben zu validieren (siehe Anhang XII). Man kann allerdings bereits sagen, dass eine Reihe von Stichproben, die im Bericht M17 angegeben sind, Stichproben sind, die bereits 1998 entnommen und getestet wurden und im Jahre 2000 mit einer optimierten Technik erneut getestet worden sind.

 

 

 

Soweit es Sonnenblumen betrifft, interessiert sich das Labor CNRS/CBM im Bericht M21 für die Bioverfügbarkeit von Imidacloprid in Sonnenblumen in Abhängigkeit vom Wachstumsstadium, von der Pflanzensorte und von der Insektiziddosis, die für das Beizen des Saatguts verwendet worden ist. Leider haben wir eine Reihe von Problemen bei der Analyse der Ergebnisse festgestellt (Tabelle XI), die es uns nicht erlauben, die Schlussfolgerungen des Autors dieser Gutachten zu bestätigen.

 

 

Tabelle XII : Zusammenfassung der untersuchten Auswirkungen und der Probleme bei der Verarbeitung der Daten der Berichte M17 und M21

 

Untersuchter Effekt

Anzahl der Stichproben

Analytisches Problem

Studie in Abhängigkeit vom Wachstumsstadium (Anstieg bis zur Blüte)

1 Stichprobe je  Wachstumsstadium

Ergebnis der Mengenbestimmungen des Jahres 1998 ungültig (LQ = 10 ppb)

Studie in Abhängigkeit von der Dosis (Anstieg bis zur Blüte)

1 Stichprobe je Wachstumsstadium

Vermischung der Daten der ungültigen Mengenbestimmungen aus 1998 (LQ = 10 ppb) und der Daten der Mengenbestimmungen in 2000

Studie in Abhängigkeit von der Sorte

(Anstieg bis zur Blüte)

N = 20

Vermischung der Daten der ungültigen Mengenbestimmungen von 1998 (11 Stichproben)  (LQ = 10 ppb) und der Daten der Mengenbestimmungen in 2000

Imidaclopridgehalt bei der Bildung der Blütenstände je nach Sorten:

N = 6

Anzahl der Stichproben unzureichend.

Der Autor kommentiert die Analyse der Blütenstände, während aus den Entnahmedatenblättern hervorgeht, dass einige Stichproben Blätter sind.

Absorption des restlichen Imidacloprid in Sonnenblumen ohne Gaucho im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho-Vorgeschichte in n-1

N = 59

Zweifel bei 34 Stichproben.

Von den 25 verbleibenden Stichproben gibt es keinerlei Daten über die Vorgeschichte mit Gaucho

Absorption des restlichen Imidacloprid in Sonnenblumen ohne Gaucho im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho-Vorgeschichte in n-1

N = 6

1 Mengenbestimmungen im Jahre 1998 ungültig, 1 Stichprobe mit Gaucho-Behandlung im Jahr der Stichprobenentnahme laut ihrem Code

 

Obwohl die Schlussfolgerungen der Studien M17 und M21 unserer Ansicht nach hinfällig sind und nicht validiert werden, wurden die von Biotec angestellten Mengenbestimmungen dennoch anhand einer von CST validierten Methode vorgenommen. Indem wir diejenigen Stichproben weggelassen haben, die eine mangelhafte Rückverfolgbarkeit aufweisen und die voranstehend angegebenen analytischen Probleme korrigiert haben, haben wir den Imidaclopridgehalt in Sonnenblumen mit Gaucho-Behandlung im Jahr der Stichprobenentnahme neu berechnet (Tabelle XII). Diese Gehalte entsprechen den durchschnittlichen Inhaltsmengen an Imidacloprid in der gesamten Pflanze. Sie dürfen nur hinweishalber herangezogen werden, weil die Berechnungen mit Stichproben unterschiedlicher Beschaffenheit (Kopf, Blütenstand, Stängel, Blätter) und unterschiedlichen Wachstumsstadien erfolgt sind. Es war nicht möglich, die Restgehalte an Imidacloprid in Sonnenblumen ohne Gaucho-Behandlung zu berechnen, weil Angaben über die Behandlung in den Vorjahren fehlten.

 

 

 

 

 

Tabelle XII: Ergebnisse der validierten5 Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Sonnenblumen

 

Art der Stichprobe

Anzahl

Imidaclopridgehalt

(ppb)[5]

Verteilung

Sonnenblumen, die im Jahr vor der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden sind

31

m = 4,6

Median = 4,02

90. Perzentil = 7,2

10. Perzentil = 2,1

Anzahl

 

Konzentrationen

 5  Die Ergebnisse dieser Tabelle wurden ohne diejenigen Stichproben angestellt, die einen Mangel an Informationen oder Unsicherheiten aufwiesen. Die validierten und für diese Berechnungen verwendeten Stichproben erscheinen in Anhang XII vor weißem Hintergrund.

 

Die Studien von Bayer (M10 und M11) weisen eine zu geringe Zahl von Stichproben sowie eine hohe LQ auf und können daher nicht validiert werden. Dies gibt uns jedoch einen Hinweis auf die potenziell beobachteten Gehalte in Sonnenblumen mit Gaucho-Behandlung. Diese Angaben sind mit den Mengenbestimmungen des Labors CNRS/CBM zu korrelieren.

 

 

Die Studien des CETIOM (M31) geben einen Imidaclopridgehalt in den oberen Blättern der behandelten Sonnenblumen an, der höher ist, als derjenige, der in den Studien von Bayer oder des Labors CNRS/CBM angegeben ist. Die Untersuchungen bezüglich der Remanenz bei ganzen Sonnenblumenpflanzen auf einem Feld mit Gaucho-Vorgeschichte geben bei insgesamt 28 Stichproben einen durchschnittlichen Imidaclopridgehalt in einer Größenordnung von 10 µg/kg in den Stadien B4-B10 an . Allerdings betreffen diese Mengenbestimmungen Gesamtrückstände. Die Studien wurden deshalb nicht validiert.

 

Die Studien, die von Laurent und Scalla (M111) beim INRA in Toulouse angestellt worden sind, wurden unter Bedingungen mit abgeschlossener  Aussaat angestellt. Darüber hinaus erfolgte die Aussaat im Juli, was die normalen Wachstumsbedingungen bei Sonnenblumen nicht widerspiegelt. Diese Studie kann daher nicht validiert werden.

 

*          Mais

 

Die Ergebnisse, die in den Studien des Labors CNRS/CBM (M17, M21, M150) aus dem Jahre 2000 angegeben sind, können nicht validiert werden, soweit es den Mais betrifft, wegen der Berücksichtigung einer Reihe von Stichproben, die hinsichtlich ihrer Behandlung, Beschaffenheit usw. Zweifel aufweisen. Gleichwohl entspricht die Methode für die Mengenbestimmung den Validierungskriterien des CST. Diejenigen Stichproben, die eine gute Rückverfolgbarkeit aufweisen, können somit berücksichtigt werden (siehe Anhang XII).

Der Bericht M209 desselben Labors berücksichtigt 2 Typen von Stichproben: 15 Stichproben, die 1998 entnommen, zuvor analysiert worden sind und eine unsichere Vorgeschichte aufweisen, 26 Stichproben von Rispen, die im Jahre 2000 von der Firma Testapi entnommen worden sind und eine gute Rückverfolgbarkeit aufweisen (16 mit Gaucho-Behandlung im Jahr der Stichprobenentnahme, 10 unbehandelte) (siehe Anhang XIII). Die fünfzehn Stichproben aus dem Jahre 1998 wurden erneut analysiert, wobei eine starke je nach Jahr der Mengenbestimmung eine erhebliche Schwankungsbreite bei den Imidaclopridgehalten festgestellt worden ist. Wegen der Unsicherheiten und Zweifel in Verbindung mit einigen Stichproben, wird empfohlen, für die Bestimmung der Imidaclopridmenge in den Maisrispen aus dem Jahre 2000 nur die Ergebnisse der Mengenbestimmungen in den 26 neuen Stichproben zu berücksichtigen, die von Testapi entnommen worden sind. Die berechneten Gehalte sind in Tabelle XIII angegeben.

 

 

 

 

Tabelle XIII: Ergebnisse der validierten5 Mengenbestimmungen von Imidacloprid in den verschiedenen Pflanzenteilen von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist.

 

Art der Stichprobe

Anzahl

Imidaclopridgehalt

(ppb)[6]

Verteilung

Rispen von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist (Stichproben, 2000, Testapi, M209)

 

16

m = 7,5

Median = 5,8

90. Perzentil = 16,5

10. Perzentil = 1,6

Anzahl

 

Konzentrationen

Rispen von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist

(Stichproben von 1998, M21)

7

3 < m <  3,1

Median = 2,6

90. Perzentil = 6

10. Perzentil = 0,5

Anzahl

Konzentration

Blätter und/oder Stängel von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist

(Stichproben von 1998, M21)

10

3,6 < m < 3,8

Median = 3,1

90. Perzentil = 7,5

10. Perzentil = 0,5

Anzahl

 

Konzentration

 5  Die Ergebnisse dieser Tabelle wurden ohne diejenigen Stichproben angestellt, die einen Mangel an Informationen oder Unsicherheiten aufwiesen. Die validierten und für diese Berechnungen verwendeten Stichproben erscheinen in Anhang XII und XIII vor weißem Hintergrund.

 

Nur eine Stichprobe ohne  Behandlung mit Gaucho im Jahr der Stichprobenentnahme durch Testapi wurde aus dem Boden entnommen, auf dem im Vorjahr mit Gaucho behandelter Mais angebaut worden war. Es ist daher auch hier unmöglich Rückschlüsse hinsichtlich eines möglichen „Anstiegs“ von Imidacloprid in die Maisblüten zu ziehen.

 

 

*          Andere Pflanzen als Sonnenblumen und Mais

 

Stichproben von Raps, der im Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden ist, aber auf Böden angebaut wurde, auf denen im Vorjahr gebeiztes Saatgut (Weizen, Gerste) ausgebracht worden ist, erscheinen ebenfalls in den Berichten M17 und M21 und M150. Wir haben beim Vergleich mit den Datenblättern über die Stichprobenentnahme keine Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Vorgeschichte festgestellt. Die berechneten, durchschnittlichen Imidaclopridgehalte erscheinen in der Tabelle XIV. 95% weisen Imidaclopridgehalte auf, die unter der Quantifizierungsgrenze liegen.

 

 

 

Tabelle XIV: Ergebnisse der validierten Mengenbestimmungen von Imidacloprid in Stichproben von Raps, der im Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden ist, aber mit Imidaclopridvorgeschichte im Vorjahr

 

Art der Stichprobe

Anzahl

Imidaclopridgehalt

(ppb)[7]

Verteilung

Pflanzenteile von Raps ohne Behandlung mit Gaucho, der jedoch auf einem Boden mit Gaucho-Vorgeschichte angebaut worden ist

 

17

0,39 < m < 0,98

Median = 0,5

90. Perzentil =  0,5

10. Perzentil = 0,07

Anzahl

 

Konzentrationen

Die validierten und für diese Berechnungen verwendeten Stichproben erscheinen in Anhang XII vor weißem Hintergrund

 

Die Studien, die sich mit der Aufnahme von Imidaclopridrückständen durch Weizen und Luzerne beschäftigen, konnten auf Grund der geringen Anzahl von Stichproben nicht validiert werden.

 

 

c)         Kommentare und Perspektiven

 

Die angestellten, zahlreichen Mengenbestimmungen liefern uns leider nur Teilergebnisse, die zudem untereinander kaum vergleichbar sind. Nur die Studien, die vom Labor CNRS/CBM geleitet worden sind, ermöglichen nach Behebung der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Typ der Stichproben einen insgesamten Überblick über die Imidaclopridmengen, die in den oberen Teilen der Pflanze im Laufe des Wachstums vorhanden sind. Bei den Pflanzenteilen von Sonnenblumen erlauben die validierten Stichproben die Feststellung (mit den voranstehend angegebenen Vorbehalten) von globalen Imidaclopridgehalten von ungefähr 4,2 ppb bei den Blütenständen von Sonnenblumen, die im Jahr der Stichprobenentnahme behandelt worden sind und von 6,5 ppb in den Blättern.

Dieses Ergebnisse sind im Hinblick auf die Möglichkeit eines Verzehrs von Nektar außerhalb der Blüten durch die Bienen hervorzuheben, der insbesondere bei Sonnenblumen gegeben sein kann. Dieser Nektar, der von den jungen Sonnenblumen im Bereich der Unterseite der Blätter abgesondert wird, könnte auf Grund des frühen Zeitpunkts der Sekretion erhebliche Mengen an Imidacloprid enthalten.

Ebenfalls festzustellen ist, dass in den Stichproben von Sonnenblumen eine Mengenbestimmung der Metaboliten des Imidacloprids vorgenommen worden ist. Da die Methode nicht spezifisch genug war (LQ = 10) verfügen wir über keinerlei gültige Daten über das Vorhandensein der Metaboliten in den Pflanzen.

Es ist eine Konzentration von Imidacloprid in den Rispen von Mais mit einem durchschnittlichen Gehalt von 7,5 ppb festzustellen. Die übrigen Pflanzenteile (Stängel. Blätter, männliche Teile) enthalten ebenfalls nicht zu vernachlässigende Mengen an Imidacloprid (im Bereich von 3 ppb).

Desgleichen verfügen wir über keinerlei Daten bezüglich der Möglichkeit einer Absorption von Imidaclopridrückständen durch Pflanzen (mit Ausnahme von Raps), die im  Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden sind.

 

Die Experten des CST empfehlen deshalb:

- die Entwicklung einer Technik für die Mengenbestimmung der Zerfallsprodukte im Hinblick auf die Daten der chronischen Toxizität und der subletalen Auswirkungen.

- die Fortsetzung der Mengenbestimmungen in den Pflanzenteilen, die von den Bienen aufgesucht werden (Pollen, Nektar) von Sonnenblumen und Mais, die mit Gaucho behandelt worden sind und extrafloralen Nektar enthalten.

 

 

- die Fortsetzung der Mengenbestimmungen in den verschiedenen Teilen von Sonnenblumen und Mais, die im Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden sind, aber auf Böden angebaut wurden, die in früheren Jahren mit Gaucho behandelt wurden.

Die Stichprobenentnahmen erfolgen in Übereinstimmung mit den PBL.

 

3.4 Bewertung der Mengen an möglicherweise kontaminiertem Pollen und Nektar, die zum Bienenstock gebracht werden

 

Die Imidaclopridmenge, die in ein Bienenvolk eingebracht werden kann, ist sehr variabel und hängt von den Typen und von der Oberfläche der behandelten Kulturen ab, die in seiner Umgebung vorhanden sind, sowie von den Sammelentscheidungen der Arbeitsbienen hinsichtlich des eingesammelten Pollens und/oder Nektars.

Der Sammelradius der Arbeitsbienen kann von mehreren hundert Metern bis zu einigen Kilometern betragen, abhängig von den Bedürfnissen des Bienenvolks und von den Ressourcen, die in der Umgebung vorhanden sind. So beträgt beispielsweise bei einem Aktionsradius von 200 m die abgesuchte Fläche 0,13 km², bei einem km beträgt sie 3,14 km², bei 5 km  Radius sind es 78,5 km². Bei 6200 Beobachtungen hat Frisch (1967, A173) nachgewiesen, dass 20% der Bienen in Abständen von mehr als 2 km sammelten. Kürzlich hat eine Studie ergeben, dass die Bienen höhere Flugentfernungen zurücklegen können, die zwischen 6 und 7,5 km betragen (Beekman und Ratnieks 2000, A144).

Wenn innerhalb des Sammelgebiets nur wenige behandelte Kulturen vorhanden sind, ist ganz klar, dass das Risiko geringer ist, als wenn sie zahlreicher sind. Diese Tatsache in Erinnerung zu rufen ist dennoch wichtig, weil die Tatsache, dass es sehr schwierig oder gar unmöglich ist, die Sammeltätigkeiten auf freiem Feld zu kontrollieren, die zahlreichen Unterschiede erklären könnte, die bei der Bienensterblichkeit von den Imkern ebenso wie von den Forschern bei Versuchen auf freiem Feld festgestellt worden sind.

 

Das Imidacloprid, das im Pollen und im Nektar (und später im Honig) vorhanden ist, könnte toxische Wirkungen nach sich ziehen, die sich mehr oder weniger langfristig bei bestimmten Kategorien von Arbeitsbienen  (Ammenbienen, Feldbienen) zeigen.

Wenn die von den Bienen zurückgebrachten Insektizidmengen hoch sind und nach der Ernte schnell konsumiert werden, könnte die Zahl der toten Bienen hoch sein und zu einer Verringerung der Population führen. Dieses Bienensterben könnte verzögerte Auswirkungen auf das Bienenvolk haben, zum Beispiel im Herbst oder im Winter, wenn die Bienen die Honigreserve verzehren, oder am Ende des Winters, wenn sie für die Aufzucht  der neuen Brut den Pollen verzehren.

 

 

3.4.1     Im Falle des Pollens

 

a) Jährlicher Polleneintrag in das Bienenvolk

 

Die Pollenmenge, die jährlich von den Bienen geerntet wird, liegt in einer Größenordnung von mehreren Dutzend Kilo und kann bis zu 55 kg betragen (Louveaux, 1968, A83; Seeley, 1985, A84; Winston, 1987, A85). Es handelt sich um eine Mischung, die aus einer Vielzahl von Pflanzentypen stammt. Unter den Pflanzenpollen, die von den Bienen geerntet werden und mit Imidacloprid kontaminiert sein können, sind die Pollen von Sonnenblumen und Mais im Überfluss vorhanden (Louveaux, 1985, A91; Pham-Délègue und Ramirez-Romero, 2002; M106 Odoux et al. 2003, A159). Die Menge an Pollen von Mais und Sonnenblumen, die in den Bienenstock gebracht wird, hängt natürlich von der Gesamtanbaufläche dieser beiden Kulturen im Umfeld des Bienenvolks ab.

Um den Polleneintrag zu quantifizieren, verwendet man Pollenfallen. Die Pollenfallen werden am Eingang des Bienenstocks aufgestellt und besitzen ein Gitter, das mit Löchern für die Bienen ausgerüstet ist. Beim Passieren dieser Löcher lassen die Bienen einen Teil des transportierten Pollens fallen. Die Pollenmenge, die in den Fallen eingesammelt wird, hängt von der verwendeten Fallenart ab. Früher lieferten die verwendeten Fallen eine Ausbeute in einer Größenordnung von 10% (Louveaux, 1968, A83). Heute scheint es, dass die Ausbeute bestimmter Fallen zwischen 20% und 40% beträgt (Fert und Marty, persönliche Mitteilung). Wenn man die Pollenmenge kennt, die in den Fallen aufgefangen wird, kann man somit grob die Pollenmenge abschätzen, die in den Bienenstock transportiert worden ist.

 

 

Der Pollen aus Pollenfallen ist eine Stichprobe dessen, was die Bienen in ihrer Umgebung einsammeln  (in einem Radius von einigen hundert Metern bis zu mehreren Kilometern) und in den Bienenstock bringen. Wenn sich der Bienenstock in einem Gebiet mit Pflanzenkulturen befindet, die (mit unterschiedlichen Pestiziden) behandelt worden sind, oder nicht behandelt worden sind, bilden die Pollenkugeln, die von den Forschern eingesammelt werden, somit eine Mischung von Pollen aus  unterschiedlichen Quellen.

 

Neuere Untersuchungen haben die tägliche Ernte von Mais und Sonnenblumenpollen während der Blütezeit dieser Pflanzen untersucht.

-1/ Die erste Untersuchung bezog sich auf 24 Bienenvölker (ACTA, 1998, M32, M166 und M170; AKTA, 1999, M232), aber uns liegen nur die detaillierten Ergebnisse für 18 von ihnen vor (Vendée Marais, Vendée Plaine und Indre). Die Gesamtmenge an Pollen, der in den Pollenfallen während der gesamten Blütezeit dieser Pflanzen geerntet worden ist, variiert zwischen 0,85 und 4 kg/Bienenvolk. Da die von CNEVA verwendete halb quantitative Pollenanalysemethode nicht die Genauigkeit einer quantitativen Analyse erreicht, sind die jeweiligen Mengen der verschiedenen Pollentypen nicht bekannt. Gleichwohl stammte der Hauptteil der vorgefundenen Pollen im Allgemeinen von Sonnenblumen.

 

-2/ Die zweite Untersuchung bezog sich auf 20 Völker (Syndicat d’Apiculture du Lot et Garonne, 1998, T2). Die in den Pollenfallen geernteten Pollenmengen variierten zwischen 0,1 kg und 3 kg/Bienenvolk bei den Sonnenblumen und zwischen 0,02 kg und 3,8 kg beim Mais während der gesamten Blütezeit dieser beiden Pflanzen. Die verwendete Pollenanalysemethode ist nicht angegeben.

 

-3/ Die dritte Untersuchung hat die Pollen analysiert, die in den Pollenfallen von 10 Bienenvölkern geerntet worden sind und zwar von 2 Völkern im Jahre 2001 und 8 Völkern im Jahre 2002 (Odoux et al. 2003, A159), die inmitten von großen Anbauflächen (Mais, Raps und Sonnenblumen) aufgestellt worden waren. Diese Untersuchung hat zwei interessante Punkte ergeben:

- Die Ernte des Sonnenblumenpollens erstreckt sich von Ende Juni bis Mitte September, die Ernte von Maispollen von Mitte Juli bis Anfang September.

- Wenn die Pollenmenge anhand der Anzahl der Körner (durch Pollenanalyse auf Glasplättchen) bestimmt wird, unterschätzt sie im Allgemeinen das Gewicht des geernteten Sonnenblumen- und Maispollens, weil diese beiden Pollentypen größer als die anderen Pollentypen sind. Die von diesen Autoren verwendete Methode ermöglicht diesmal eine Berücksichtigung der tatsächlichen Masse des gesammelten Pollens. So haben die Autoren in den Pollenfallen von Bienenvölkern, die im Bereich großer Anbauflächen aufgestellt worden waren, 90% Sonnenblumenpollen und 80% Maispollen zum jeweiligen Zeitpunkt der Blüte dieser beiden Kulturen gefunden.

 

 

*          Sonnenblumenpollen

 

Die Sonnenblumenpollen produzieren während eines Zeitraums von etwa fünfzehn Tagen Pollen (Pham-Délègue und Bonjean, 1983, A87). Da eine zeitliche Verschiebung der Blütezeit von Anbaufläche zu Anbaufläche oder zwischen mehreren Sonnenblumensorten gegeben ist, kann sich der Zeitraum für die Ernte des Pollens bei einem Bienenvolk über ungefähr zweieinhalb Monate erstrecken (Odoux et al. 2003, A159).

Je nach Ausbeute der Pollenfalle kann man die Menge an Sonnenblumenpollen berechnen, die von den Bienen geerntet worden ist.

-1/ Die Ergebnisse von ACTA (1998, M32, M166 und M170; ACTA, 1999, M232) können nicht verwendet werden, weil der Anteil der Sonnenblumenpollen, die in den Pollenfallen geerntet worden sind, nicht bekannt ist.

 

-2/ Den Ergebnissen des Syndicat d’Apiculture von Lot et Garonne zufolge (1998, T2) variiert die Menge zwischen 0,5 kg und 15 kg / Bienenvolk, wenn die Falle eine Ausbeute von 20% liefert und zwischen 0,25 und 7,5 kg / Bienenvolk, wenn die Ausbeute 40% beträgt.

 

-3/ Den Ergebnissen von Odoux et al. zufolge (2003, A144)  beläuft sich der volumenbezogene Anteil des Sonnenblumenpollens an dem in den Pollenfallen während der Blütezeit von Sonnenblumen geerntete Pollen auf 90%.

 

*          Maispollen

 

Die Produktion an Maispollen ist sehr hoch, und dieser wird von den Bienen in reichlicher Menge geerntet (Louveaux, 1985; A91, Pham-Délègue und Ramirez-Romero, 2002, M106).

 

1-/ In Frankreich zeigen die Daten, die von der Firma Michaud (größter Händler für französischen Honig) gesammelt worden sind, dass alljährlich zwischen 30 und 40% der französischen Bienenvölker mit Maispollen in Kontakt kommen (GDSA, 2001, T1).

 

-2/ In der oben genannten Untersuchung (Syndicat d’Apiculture von Lot et Garonne, 1998, T2) belaufen sich die Anteile an Sonnenblumenpollen und Maispollen in der Mischung auf jeweils 38 und 62%. Die Autoren haben auch festgestellt, dass „die Bienen ab dem Zeitpunkt der Maisblüte dem Sonnenblumenpollen den Rücken kehren und Maispollen sammeln“. Abhängig von der Ausbeute der Pollenfalle kann man die Menge an Maispollen berechnen, die von den Bienen im Bienenstock gelagert wird. Wenn die Ausbeute der Falle 20% beträgt, variiert die Menge zwischen 0,1 und 19 kg / Bienenvolk; wenn sie 40% beträgt, variiert die Menge zwischen 0,05 und 9,5 kg / Bienenvolk.

 

-3/ Den Ergebnissen von Odoux et al. zufolge (2003, A144), beläuft sich der volumenbezogene Anteil des Maispollens an dem in den Pollenfallen während der Maisblüte geerntete Pollen auf 80%.

 

 

b)  Theoretische Schätzungen der Imidaclopridmengen, die in den Bienenstock eingetragen werden

 

Wir weisen auf die Tatsache hin, dass die weitere Entwicklung des Imidacloprids im Pollen, im Nektar und sodann im Honig, der im Bienenstock gelagert wird, bislang unbekannt ist.

 

 

*          Sonnenblumenpollen

 

In Anbetracht der validierten Daten über die Bestimmung der Imidaclopridmenge in Pollen von Sonnenblumen, die mit Gaucho behandelt worden sind (zwischen 3,3 und 3,4 ppb, entsprechend einem Durchschnittswert von 3,35 ppb beim Blütenpollen und zwischen 2,1 und 2,3 ppb, entsprechend einem Durchschnittswert von 2,2 ppb, beim Pollen aus der Pollenfalle); siehe Absatz 2.1.1) und in dem Wissen, dass die Bienenvölker zwischen 0,25 und 15 kg Sonnenblumenpollen pro Jahr in den Bienenstock bringen, können wir die theoretischen Imidaclopridmengen schätzen, die in den Bienenstock eingetragen werden (siehe Tabelle XVI).

Es ist wichtig hervorzuheben, dass die Ergebnisse der Bestimmung der Imidaclopridmenge im Pollen aus der Polenfalle auf einer Menge an gemischtem Pollen beruhen, was eventuell zu einer Unterschätzung des Imidaclopridgehalts im Pollen von Sonnenblumen mit Gaucho-Behandlung führen kann. Im übrigen zieht das Vorhandensein von Pollenfallen Störungen im Bereich der Aktivitäten des Bienenstocks nach sich. Es kann sein, dass der Pollen aus der Pollenfalle für die eingetragenen Imidaclopridmengen quantitativ nicht repräsentativ ist.

 

 

Tabelle XV: Theoretische Gesamtmengen an Imidacloprid, die im Pollen des Bienenstocks enthalten sind, ausgehend von Sonnenblumenpollen (Ausbeute 20%)

 

Theoretische Gesamtmengen an Imidacloprid, die in dem Pollen enthalten sind, der in den Bienenstock transportiert worden ist (µg)

Imidaclopridkonzentrationen

im Pollen

(µg/kg oder ppb)

Blütenpollen

Polen aus Polenfallen

3,35

2,2

Pollenmengen, die in den Bienenstock transportiert werden

(kg)

0,25

0,84

0,55

5

16,7

11

10

33,5

22

15

50,2

33

 

Später, wenn die chemische Stabilität des Imidacloprids in dem gelagerten Pollen bewertet worden ist, kann das obige Modell für die Quantifizierung von Imidacloprid im Pollen nötigenfalls revidiert werden.

 

 

*          Maispollen

 

In Anbetracht der validierten Daten über die Bestimmung der Imidaclopridmenge in den Pollen von Mais, der mit Gaucho behandelt worden ist (zwischen 3,28 und 3,65 ppb, entsprechend einem Durchschnittswert von 3,47 ppb beim Blütenpollen, und zwischen 0,69 und 0,81 ppb, entsprechend einem Durchschnittswert von 0,75 ppb beim Pollen aus Pollenfallen; siehe Absatz 2.1.1) und in dem Wissen, dass die Bienenvölker zwischen 0,05 und 19 kg an Maispollen pro Jahr herantransportieren, können wir die theoretischen Imidaclopridmengen schätzen, die in den Bienenstock eingetragen werden (siehe Tabelle XVI.

 

Es ist wichtig hervorzuheben, dass die Ergebnisse der Bestimmung der Imidaclopridmenge im Pollen aus der Polenfalle auf einer Menge an gemischtem Pollen beruhen, was eventuell zu einer Unterschätzung des Imidaclopridgehalts im Pollen von Mais mit Gaucho-Behandlung führen kann.

 

 

Tabelle XVI: Theoretische Gesamtmengen an Imidacloprid, die im Pollen des Bienenstocks enthalten sind, ausgehend von Maispollen

 

Theoretische Gesamtmengen an Imidacloprid, die in dem Pollen enthalten sind, der in den Bienenstock transportiert worden ist (µg)

Imidaclopridkonzentrationen

im Pollen

(µg/kg oder ppb)

Blütenpollen

Polen aus Polenfallen

3,47

0,75

Pollenmengen, die in den Bienenstock transportiert werden

(kg)

0,05

0,17

0,04

0,1

0,35

0,075

10

34,7

7,5

19

66

14,25

 

 

3.4.2     Im Falle des Nektars und Honigs aus Sonnenblumen

 

Die Menge an  Sonnenblumennektar, die in den Bienenstock transportiert wird, ist schwer zu schätzen, weil sie von zahlreichen Faktoren abhängig ist (Sorten, Klima, Bodenkunde usw.), die wiederum variabel sind.

 

Mit diesem Nektar wird auf zweierlei Art verfahren: einerseits wird er in unveränderter Form von den Bienen verzehrt und andererseits wird er durch Enzymwirkung und Verdunstung von ungefähr 60% Wasser in Honig umgewandelt (Maurizio, 1976, A92). Den Honig, der im Gehäuse des Bienenstocks vorhanden ist, lässt der Imker den Bienen für ihren eigenen Verbrauch. Der in den Waben gelagerte Honig dagegen wird vom Imker geerntet.

Wir kennen die Mengen an Nektar nicht, die von den Bienen in den Bienenstock transportiert werden. Der einzige Wert, über den wir für einen bestimmten Bienenstock verfügen, ist die Menge an Honig, die vom Imker geerntet wird. Beim Sonnenblumenhonig liegt diese im Allgemeinen zwischen 20 und 80 kg / Jahr; dieser letztgenannte Wert scheint seit einigen Jahren nicht mehr erreicht zu werden. Daher erfolgen die Berechnungen mit einem Höchstwert von 40 kg Sonnenblumenhonig.

 

Der Anteil des nicht verarbeiteten Nektars ist nur schwer genau zu bestimmen. Er wird von Seeley (1995, A82) grob auf 60% geschätzt. Bei einer Ernte von 120 kg Nektar würden dabei beispielsweise 70 kg von den Bienen unverändert verzehrt und 50 kg würden zu 20 kg Honig verarbeitet. Diese Daten beruhen jedoch nur auf einem einzigen bibliographischen Verweis, der sich zudem nicht auf Sonnenblumenhonig bezieht; es handelt sich dabei somit nur um einen Hinweis, der später noch präzisiert werden muss. Zusätzliche Studien wären notwendig, um den Anteil des Nektars zu bestimmen, der in unverändertem Zustand verzehrt und nicht zu Honig verarbeitet wird.

 

*          Fall des Nektars

 

Für die Berechnung der Imidaclopridmenge, die in dem Nektar enthalten ist, der in unverändertem Zustand von den Bienen verzehrt wird, wählen wir als Beispiel (Tabelle XVII) willkürlich den Fall von 2 Bienen aus, bei denen der Imker 20 kg (Volk A) bzw. 40 kg (Volk B) Honig geerntet hat. Die Menge an Nektar, die von den Bienen verzehrt worden ist, wird anhand der Schätzungen von Seeley (1995, A82) (mit den von uns unterstrichenen Vorbehalten) anhand der Menge an produziertem Honig geschätzt.

Da nur eine einzige Untersuchung des Gehalts an Imidacloprid im Nektar von Sonnenblumen validiert worden ist (siehe Absatz 2.1.2), werden wir die theoretischen Imidaclopridmengen, die im Sonnenblumennektar vorhanden sind, der im Bienenstock gespeichert wird, anhand dieses Wertes von 1,9 ppb (Tabelle XVIII) schätzen. Wenn die  chemische Stabilität des Imidacloprids in dem im Bienenstock gelagerten Nektar bewertet worden ist, kann das nachstehend dargestellte  Modell für die Quantifizierung des Imidacloprids im Nektar nötigenfalls revidiert werden.

 

 

 

 

 

Tabelle XVII: Theoretische Imidaclopridmengen in dem Sonnenblumennektar, der im Bienenstock gelagert wird

 

Theoretische Imidaclopridmengen im verzehrten Sonnenblumennektar (in µg) (für die Bienenvölker A und B)

Imidaclopridkonzentrationen

im Sonnenblumennektar

(µg/kg oder ppb)

1,9

Nicht verarbeitete Nektarmengen (kg)

A

70

133

B

140

266

 

 

*          Fall des Honigs

 

Für die Berechnung der Imidaclopridmenge, die in der Honigreserve enthalten ist, die von den Bienen verzehrt wird, interessieren wir uns nur für den Honig, den der Imker im Gehäuse des Bienenstocks belässt (und nicht für den Honig, den er in den Waben erntet).

Ein Standardbienenkorb enthält 10 Rahmen. Jeder Rahmen ist durchschnittlich mit 1,5 bis 3 kg Honig gefüllt, was zwischen 15 und 30 kg Honig für den Verbrauch der Bienen ergibt (Jean-Prost, 1979, A93). Dieser Honig kann von mehreren Blumensorten stammen und insbesondere Sonnenblumenhonig in variablen Mengen enthalten.

 

Hinweishalber und als Arbeitshypothese können wir alle diese Daten verwenden, um ein Modell für die Kontaminierung der Honigreserve in einem Bienenstock vorzuschlagen. Bei dem nachfolgenden Beispiel werden wir nicht vom Extremfall einer Honigreserve ausgehen, die nur aus Sonnenblumenhonig besteht. Es versteht sich von selbst, dass dieser Fall unter natürlichen Bedingungen vermutlich nicht häufig vorkommt (außer vielleicht in bestimmten Regionen) und dass die Honigreserve aus einer Mischung von unterschiedlichen Blütenhonigen besteht, die nicht alle mit Imidacloprid kontaminiert sind.

 

Da bei der Verarbeitung von Nektar zu Honig ein Gewichtsverlust von 60% gegeben ist, stammen 15 bis 30 kg Honig somit aus 37,5 bis 75 kg Nektar. Bei einer Konzentration von 1,9 ppb Imidacloprid im Nektar beläuft sich somit die theoretische Imidaclopridmenge, die in der Honigreserve des Bienenstocks enthalten ist, auf 71,25 bis 142,5 µg. Später, wenn die chemischen Stabilitäten des Imidacloprids im Honig bewertet worden sind, kann das Modell für die Quantifizierung des Imidacloprids im Honig nötigenfalls revidiert werden.

 

3.5.      Zusammenfassung der Daten über die Exposition bei Sonnenblumen und Mais

 

3.5.1     Validierungskriterien:

 

Die Kriterien für die Validierung der Ergebnisse der Mengenbestimmungen bei Pollen, die von den Mitgliedern des CST herangezogen werden, lauten wie folgt:

  • Nr. 1: eine ausreichende Zahl von Stichproben, die von verschiedenen Standorten stammen. In bestimmten Fällen (Mengenbestimmung in Nektar) können mehrere Versuche zusammengefasst werden, vorausgesetzt die Methoden für die Stichprobenentnahme und Mengenbestimmung sind einheitlich.
  • Nr. 2: eine vollständige und eindeutige Vorgeschichte der Stichproben und Methoden für die Stichprobenentnahme, je nach untersuchtem Trägermaterial.
  • Nr. 3: die Grenzen der Quantifizierbarkeit und Messbarkeit werden in den Studien angegeben und sind niedrig genug (LQ = 1 ppb; LD < 0,5 ppb), was die Untersuchungen der von den Bienen aufgenommenen Substanzen angeht.
  • Nr. 4: eine spezifische Methode für die Mengenbestimmung von Imidacloprid und seiner Metaboliten, um die Unsicherheiten bei der Risikobewertung zu begrenzen (keine Mengenbestimmung von Gesamtrückständen).
  • Nr. 5: ein Stichprobengewicht, das mit dem erforderlichen Gewicht für die Validierung der Methode übereinstimmt.

 

3.5.2     Mengenbestimmungen von Imidacloprid in den Pollen von Sonnenblumen und Mais:

 

Anzahl der Studien: 12

Für ungültig erklärte Studien: 8

 

Pflanzen Verweise Gründe für die Ungültigkeit (Nichteinhaltung des Kriteriums Nr.)
T  (+M) M29, Bonmatin, 1998 2, 3
T M10, Schmuck et al, 1999 1, 3
T M11, Schmuck et al, 1999 1, 3
T M31, Lagarde, 2000 4
T M111, Laurent und Scalla, 2001 1, 3, 6
M M34, Bonmatin, 2001 1, 2
M M147, Schmuck et al, 1999 2, 3
M M148, Schmuck et al, 1999 2, 3

T = Sonnenblumen, M = Mais

 

 

Validierte Studien und Ergebnisse: 4

Pflanzen Verweise Validierte Durchschnittsgehalte

(ppb)

Tt M34, Bonmatin, 2001 2,1 < m < 2,3

Median = 1,6

90. Perzentil = 3,9

10. Perzentil = 0,5

Tf M5, Stork, 1999 3,3 < m < 3,4
Mt M210, Bonmatin, 2002 0,69 < m < 0,81

Median = 0,215

90. Perzentil = 1,36

10. Perzentil = 0,215

Mf M210, Bonmatin, 2002 3,28 < m < 3,65

Median = 1,2

90. Perzentil = 8,55

10. Perzentil = 0,5

Tt = Pollen aus Pollenfallen in einem Anbaugebiet für Sonnenblumen mit Gaucho-Behandlung, Tf = Blütenpollen von Sonnenblumen, die mit Gaucho behandelt worden sind, Mt = Pollen aus Polenfallen in einem Anbaugebiet für Mais, der mit Gaucho behandelt worden ist, Mf = Pollen aus den Rispen von Mais, der mit Gaucho behandelt worden ist.

 

 

3.5.3.    Mengenbestimmung von Imidacloprid im Nektar von Sonnenblumen

 

Anzahl der Studien: 6

 

Für ungültig erklärte Studien: 5

 

Pflanzen Verweise Gründe für die Ungültigkeit (Nichteinhaltung des Kriteriums Nr.)
T M28, Bonmatin, 1998 2, 3
T M37, Bonmatin, 2001 1
T M10, Schmuck et al, 1999 1, 3
T M11, Schmuck et al, 1999 4
T M31, Lagarde, 2000 1, 4

T = Sonnenblumen

 

 

Validierte Studien und Ergebnisse: 1

 

Pflanzen Verweise Validierte Durchschnittsgehalte

(ppb)

Tf M5, Stork, 1999 m = 1,9

Tf = Sonnenblumennektar

 

 

3.5.4     Bestimmung der Imidaclopridmenge im Boden und Remanenz

 

Anzahl der Studien: 4

Für ungültig erklärte Studien: 2

 

Angebaute Pflanzen Verweise Gründe für die Ungültigkeit (Nichteinhaltung des Kriteriums Nr.)
T M10, Schmuck et al, 1999 1, 3
T M11, Schmuck et al, 1999 1,3

 

 

Validierte Studien und Ergebnisse: 2

 

Pflanzen Verweise Validierte Durchschnittsgehalte

(ppb)

Sonnenblumen, die im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden sind M21 und zugeordnete Dokumente (M19, M150), Bonmatin, 2000-2001 10,2 < m < 10,3

Median = 7,45

90. Perzentil = 20,18

10. Perzentil = 1,5

Sonnenblumen, die im Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden sind, aber mit Gaucho-Vorgeschichte im Jahr J-1 M21 und zugeordnete Dokumente (M19, M150), Bonmatin, 2000-2001 4,29 < m < 4,48

Median = 2,35

90. Perzentil = 12,75

10. Perzentil = 0,5

 

 

 

3.5.5     Bestimmung des Imidaclopridgehalts in den Pflanzenteilen von Sonnenblumen und Mais, die nicht von Bienen aufgesucht werden

 

Anzahl der Studien: 8

Für ungültig erklärte Studien: 6

 

Pflanzen Verweise Gründe für die Ungültigkeit (Nichteinhaltung des Kriteriums Nr.)
T M30, Bonmatin, 1998 3
T M10, Schmuck et al, 1999 1, 3
T M11, Schmuck et al, 1999 1, 3
T M31, Lagarde, 2000 4
T M111, Laurent und Scalla, 2001 6
T M111, Laurent und Scalla, 2001 6

 

Validierte Studien und Ergebnisse: 2

 

Pflanzen Verweise Validierte Durchschnittsgehalte

(ppb)

Sonnenblumen, die im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden sind M21 und zugeordnete Dokumente (M17, M150), Bonmatin, 2002 m = 4,6

Median = 4

90. Perzentil = 7,2

10. Perzentil = 2,1

Sonnenblumen, die im Jahr der Stichprobenentnahme nicht mit Gaucho behandelt worden sind, aber mit Gaucho-Vorgeschichte im Jahr J-1 M21 und zugeordnete Dokumente (M17, M150), Bonmatin, 2002 Blätter: 0,8 < m < 1,1;

Median = 0,7

90. Perzentil = 2,1

10. Perzentil = 0,07

Stängel: 4,5 < m < 4,7

Median = 0,5

90. Perzentil = 11,8

10. Perzentil = 0,07

Blätter und Stängel von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist M21 und zugeordnete Dokumente (M17, M150), Bonmatin, 2002 3,6 < m < 3,8

Median = 3,1

90. Perzentil = 7,5

10. Perzentil = 0,5

Männlicher Teil von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist M21 und zugeordnete Dokumente (M17, M150), Bonmatin, 2002 3 < m < 3,1

Median = 2,6

90. Perzentil = 0,6

10. Perzentil = 0,5

Rispen von Mais, der im Jahr der Stichprobenentnahme mit Gaucho behandelt worden ist M209, Bonmatin, 2002 m = 7,5

Median = 5,8

90. Perzentil = 16,5

10. Perzentil = 1,6

 

 



[1] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen

[2] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen

[3] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen

[4] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen

[5] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen

[6] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen

[7] Der Durchschnittswert (m) wird durch einen Mindestwert und einen Höchstwert eingerahmt, die jeweils anhand der Grenzwerte für die Quantifizierbarkeit und Messbarkeit berechnet worden sind. Wenn LD zum Beispiel 0,3 ppb und LQ = 1 ppb beträgt, wird eine Stichprobe A mit einem Imidaclopridgehalt < LD mit den Werten 0 und 0,3 ppb eingerahmt. Eine Stichprobe B mit einem Imidaclopridgehalt < LQ wird einen Wert zwischen 0,3 und 1 ppb besitzen. Bei der Stichprobe A wird der Median unter Heranziehung des Wertes LD/2 berechnet, bei der Stichprobe B lautet der Wert LQ/2. Diese Vereinbarungen gelten für unsere sämtlichen Schätzungen